Auf nach Berlin: Interview mit Gesine Agena
18.08.2009:
Gesine, vor zwanzig Jahren fand der Anti-Atom-Treck statt, damals noch nach Hannover. Was ist da genau passiert?
Anfang März 1979 begannen die Baugrunduntersuchungen in Gorleben als Atommülldeponie und Wiederaufbereitungsanlage gegen den Willen der dortigen Bevölkerung, aber im Sinne des damaligen Umweltministers Albrecht (CDU). Wenige Tage später startete der “Gorleben-Treck” von Gedelitz aus nach Hannover. 5000 Menschen machten sich auf den Weg mit Treckern, Fahrrädern und zu Fuß. Ganze Dörfer waren vollzählig anwesend. Den BürgerInnen ging es darum, Gorleben als Standort für ein Atommüllendlager zu verhindern und ihren Protest gegen den schleichenden Bau zu unterbinden. Der Treck war mehr als erfolgreich, auch in Hannover gingen viele Menschen mit auf die Straße und die niedersächsische Landesregierung musste ihr Vorhaben der Wiederaufbereitungsanlage auf Eis legen. Noch immer wird aber Gorleben als Endlagerstandort erforscht, ein Zustand, den GeologInnen, WissenschaftlerInnen und Grüne verurteilen, da der Salzstock ungeeignet ist für die Lagerung von Atommüll.
Du bist auf einem Biobauernhof in Ostfriesland aufgewachsen, nicht so weit vom Wendland entfernt. Haben Dich Deine Eltern angesteckt?
Klar, ich bin auch durch meine Eltern für grüne Themen sensibilisiert worden, gerade weil mein Vater einen Biohof hat und meine Mutter Lehrerin ist, aber so richtig gegen Atomkraft demonstriert habe ich später mit 16 oder 17 in Gorleben, als ich selbst angefangen habe, mich politisch zu engagieren.
Fünf Tage sind die Bauern aus dem Wendland dieses Jahr nach Berlin unterwegs. Was passiert, wenn die Trecker ankommen?
Die Demo am 5.September ist einer der wichtigsten politischen Termine dieses Jahr, aus allen Landesverbänden kommen Grüne Jugend AktivistInnen nach Berlin, um gegen Atomkraft zu demonstrieren. Die Grünen werden einen eignenen Trecker haben und wir werden zusammen einen bunten lauten Block bilden. Die Grüne Jugend Niedersachsen wird sich aktiv am Trek beteiligen und natürlich sind wir auch bei den Vorbereitungen in Berlin mit dabei. Von der Demo starten wir dann zu unserem Grüne Jugend-Auftaktfestival und werden auch im Wahlkampf viele kreative Aktionen gegen Atomenergie machen.
Warum ist die Demo am 5. September in Berlin so wichtig?
Drei Wochen vor der Bundestagswahl müssen wir klar machen, dass es in der Bevölkerung einen breiten Widerstand gegen Atomkraft gibt. Eine schwarz-gelbe Regierung wäre die Apokalypse für all diejenigen, die sich für erneuerbare Energien und einen schnellen Atomausstieg einsetzen. Auch für die Standorte Gorleben oder die Asse wäre es fatal, wenn CDU und FDP das Ruder in der Energiepolitik wieder in die Hand nehmen würden. Darum gehen wir am 5.9. auf die Straße: Wir setzen uns zusammen mit der Anti-AKW-Bewegung ein gegen eine Rückkehr ins Atomkraft-Zeitalter, für eine Entflechtung und Rekommunalisierung der Stromnetze und für die Zukunft der erneuerbaren Energien.
Den Demoaufruf der Grünen Jugend und alle Informationen zu Anreise und Bettenbörse findet Ihr hier