Innenminister verbieten bevor schlimmere Folgen eintreten!
22.11.2006: Zur Debatte über ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen erklärt Jan Philipp Albrecht, Sprecher der GRÜNEN JUGEND:
"Angesichts der jüngsten Äußerungen der Innenminister von Niedersachsen, Bayern und Brandenburg kommt die GRÜNE JUGEND zu dem Schluss, dass nicht Computerspiele sondern die Landesinnenminister schnellstens verboten werden müssen. Anscheinend fördert das Amt kurzsichtige und unsinnige Politikansätze, macht dick und sorgt für rasanten Realitätsverlust. Die vorschnelle Reaktion des bayrischen Innenministers Beckstein, 'Killer-Spiele' sollten in der Größenordnung von Kinderpornographie eingeordnet werden, entbehrt jeglichen Verstands. Offensichtlich sollen nun alle Computer spielenden Kinder als potentielle AmokläuferInnen eingestuft werden. Damit wird die Realität von den Füßen auf den Kopf gestellt. Die Forderung des niedersächsischen Innenminister Schünemann und seinem Kollegen Schönbohm aus Brandenburg nach staatlichen Verbotsregelungen ist purer Aktionismus. Seit Jahren ist klar, dass es keinen einzigen stichhaltigen Beleg für einen Zusammenhang zwischen gewalttätigen Computerspielen und gewalttätigem oder aggressiven Verhalten gibt. Die Behauptung wird durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer.
Der Ruf der Innenminister nach Verboten dokumentiert vielmehr die Hilflosigkeit einer Politik, deren Einfluss das private Umfeld nicht erreichen kann. Die wahren Ursachen werden nicht mal ansatzweise ins Blickfeld gerückt. Soziale Probleme in den Familien, enormer Erfolgsdruck und Isolation von Jugendlichen sowie die soziale Verwahrlosung an den Schulen und die mangelnde Betreuung auffälliger Minderjähriger - all diese Probleme werden einfach links liegen gelassen. Weil ihre Lösungen komplexer und umfangreicher sind als bloße Haudraufmethoden, und weil sie mehr Geld kosten. Die GRÜNE JUGEND fordert deshalb die Landesregierungen und die Bundesregierung auf, sich auf die kompetente Ursachenbekämpfung solcher nicht hinnehmbaren Zustände zu konzentrieren, statt unsinnige und fehlleitende Debatten auf Kosten Unbeteiligter zu führen. Wir brauchen endlich eine umfassende Förderung von Medienkompetenz in der Schule, um den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden."