Kampf dem Mobbing in der Schule!

13.06.2007: In Deutschland wird fast jedeR siebte SchülerIn Opfer von Mobbing. Die Grüne Jugend Saarland fordert die Schulen auf, mit entsprechenden Präventivmaßnahmen darauf zu reagieren.

Christian Bohr, Landesvorstand der Grünen Jugend Saar, zum Thema Mobbing unter SchülerInnen:

"Mobbing ist eine Gruppenhandlung, die durch systematische, anhaltende, konsequente und geplante Aktionen einer großen Gruppe auf ein Opfer ausgetragen wird. Dies geschieht durch psychische und physische Gewaltanwendungen gegen das Opfer. Oftmals kommt Mobbing am Arbeitsplatz und vorallem in der Schule vor.

In Deutschland wird fast jedeR siebte SchülerIn Opfer von Mobbing. Oftmals fängt es mit harmlosen Beschimpfungen und Verspottungen an, indem MitschülerInnen ihrem Opfer vorwerfen unnormal, unnatürlich, fett oder stinkend zu sein. Neben den psychischen Attacken erlebt das Opfer meist physische Gewaltanwendungen wie Wegschubsen und Prügel. Diese Verhaltensweisen werden dann zu Mobbing, wenn dies systematisch und anhaltend über einen längeren Zeitraum geht, oftmals über viele Jahre.

Die Folgen für gemobbte Menschen sind verheerend: Der tagtägliche Schulbesuch wird zum Grauen, jede Minute zur Qual. Die psychischen Folgen des Mobbings können Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, Konzentrationsmangel und Aggressivität sein, physisch treten oftmals Bauchschmerzen, Übelkeit, Rückenschmerzen und ähnliches auf. Die Opfer sind oftmals völlig von sozialen Kontakten ausgeschlossen und isolieren sich immer weiter; dies fängt auf dem Pausenhof an, wenn das Opfer systematisch aus der Gruppe ausgeschlossen und gedemütigt wird, geht im Unterricht weiter in dem Partner- und Gruppenarbeit unmöglich wird und endet am Wochenende, wenn die/der Betreffende alleine abends daheim sitzt, weil niemand mit dem Opfer etwas zu tun haben möchte.

Ohne fremde Hilfe haben die Opfer so gut wie keine Chance diesem Kreislauf von Psychoterror zu entkommen, am Ende stehen oftmals Gedanken über Selbsttötung, da die Opfer mit der Zeit durch Sprüche wie "Du hast doch keine Freunde" wirklich denken, dass sie unnormal und wertlos für diese Welt sind und dass sie keiner vermissen wird.

Langfristig werden aus gemobbten Personen desöfteren Erwachsene die nicht in der Lage sind sich in soziale Gemeinschaften einzufügen. Außerdem werden durch die erfahrene massive Ausgrenzung auch demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit werden eingeschränkt, das Recht auf Bildung in der Schule kann ebenfalls nur noch eingeschränkt wahrgenommen werden.

Obwohl Mobbing schon viele Jahre bekannt ist, ist es für viele LehrerInnen kein Begriff, geschweige denn dass sie Mobbing unter SchülerInnen erkennen können. Von präventivem Handeln ganz zu schweigen. Hier ist die Landesregierung aufgefordert, endlich die LehrerInnen über Mobbing richtig aufzuklären und entsprechende Veranstaltungen flächendeckend und verpflichtend anzubieten.

Daneben sind auch die Schulen direkt gefordert mit entsprechenden Präventivmaßnahmen darauf zu reagieren. Es ist an der Zeit, Mobbingfälle an Schulen an die Öffentlichkeit zu bringen und sich damit auseinanderzusetzen. Leider ist das Thema für viele Schulen tabu und es wird mit allen Mitteln versucht diese Probleme kleinzureden oder ganz zu ignorieren. Aber nur wenn eine Schule mit allen Beteiligten öffentlich darüber spricht, kann man die Probleme in den Griff kriegen.

Die LehrerInnen müssen den SchülerInnen ermöglichen das Thema in der Klasse zu thematisieren. Aber auch unter den LehrerInnen selbst muss es einen ständigen Austausch geben. Daneben sind Einzelgespräche mit TäterInnen und Opfern wichtig, die zu einem TäterInnen-Opfer-Ausgleich führen können. Elterngespräche und Schulstrafen können sekundär in Betracht gezogen werden.

Die Grüne Jugend Saar fordert den Bildungsminister auf konkrete Anti-Mobbing- Maßnahmen einzuführen bzw. auszubauen. Neben der LehrerInnenfortbildung muss das Thema auch wichtiger Bestandteil in der Ausbildung von NeulehrerInnen sein. Denn nur so kann man auf lange Sicht kompetente Menschen im Kampf gegen Mobbing bekommen. Die Schulen gehören durch Fachkräfte unterstützt die zielgerichtet Anti-Mobbing- Maßnahmen an Schulen flächendeckend durchführen um die SchülerInnen aufzuklären. Schulprojekte wie Schlichtertraining, Multiplikatorenseminare und Gewaltpräventionen können dafür eine Basis bilden. Ist Mobbing bekannt geworden, müssen Opfer und TäterInnen durch intensive Gespräche aufgeklärt werden. Externe Hilfe ist zur Verfügung zu stellen.

Im Kampf gegen Mobbing an Schulen sind neben dem Bildungsminister und den Schulen, aber auch die Gesellschaft allgemein angesprochen, die Mobbing immer noch als Bagatelle sieht und sich dem Ernst der Lage nicht bewusst ist. Mobbing zerstört ganze Leben. Tag für Tag."

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