Schule demokratisieren bedeutet Gesellschaft verändern
20.08.2002: Wenn heute in Politik und Medien von Schulpolitik die Rede ist, geht es hauptsächlich immer um das selbe. Wie kann die Leistung der Schülerinnen und Schüler verbessert werden. Einen anderen Ansatz, fern von Wirtschaft und Leistungsdruck will die LiSA finden. Ein Beitrag zur aktuellen Bildungsdebatte
Die ersten Ergebnisse der PISA Studie hatten in Deutschland für großes Aufsehen gesorgt. Das schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Studie führte zu heftigen Debatten in denen Politiker, Medienexperten und sonstige schlaue Menschen alle möglichen Therorien nun mit der PISA Studie begründeten. Im wesentlichen ging es jedoch wieder immer um das selbe: die Leistung der Schülerinnen und Schüler müsse erhöht werden.
Falscher Ansatz
Das ist nach Meinung der Linken SchülerInnen Aktion (LiSA) nach jedoch der völlig falsche Ansatz. Die PISA Studie sagt unserer Meinung nach überhaupt nichts über das Lernvermögen und die Bildung der Schülerinnen und Schüler. Sie zeigt einzig, wie Bildung im herrschenden Diskurs verstanden wird.
Die OECD-Studie hat aber den Anspruch eine Politik zu beraten, welche es unter anderem zum Ziel hat das Wirtschaftswachstum zu steigern, den Wettbewerb zwischen den Nationen zu ermöglichen, sowie die Verbesserung des menschlichen Kapitals durch Erziehung und Training zu betreiben.
Schülerinnen und Schüler werden quasi als Rohstoff der Industrie gesehen und Bildung unter dem Blickpunkt der Wirtschaftlichkeit verstanden. Zweck des Lernens ist es also sich all das anzueignen, was später für seine Arbeit gebraucht wird.
Bildung muss Orientierung geben
Die LiSA ist der Meinung, dass Bildung zuallererst einmal an denen Orientiert sein sollte, die etwas lernen wollen. Für uns ist Bildung Mittel zur Selbstverwirklichung der/des Einzelnen. Diese lässt sich auch nicht vergleichen oder innerhalb irgendwelcher starrer Systeme bewerten. Es muss allen ermöglicht werden sich zu bilden, dies darf aber niemals unter Zwang geschehen.
Die linken SchülerInnen gehen davon aus, dass jeder Mensch einen „natürlichen Lerntrieb“ hat. Dieser nimmt natürlich wieder ab, wenn er nicht befriedigt wird, oder, wie es Schulen jetzt tun, dem Kind völlig andere Sachen beigebracht werden, als es eigentlich wissen will.
Grundkenntnisse unvermeidbar
Natürlich sind gewisse Grundkenntnisse unvermeidbar für das menschliche Zusammenleben. Aber gerade deswegen wird auch jede und jeder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Vielleicht wird mit vielen Dingen später angefangen, aber eine Person, die aus eigenem Antrieb lernt, lernt viel schneller und besser, als jemand, der dazu gezwungen wird.
Freiheitliches Lernen bedeutet natürlich auch, dass das starre System der Klassen überwunden wird. Schülerinnen und Schüler verschiedenen Alters kommen zusammen und stehen in Interaktion und lernen aufgrund gleicher Interessen.
Eigenständigkeit wird möglich
Lehrerinnen und Lehrer erklären oft, das die Schülerinnen und Schüler überhaupt nicht in der Lage sind selbst irgendetwas zu tun. Das ist gerade eine Folge daraus, dass sie es nie wirklich gelernt haben, beziehungsweise es ihnen abtrainiert wurde.
Noten sind Mittel zur Selektion der Schülerinnen und Schüler. Mit ihrer Hilfe wird aussortiert wer später in welchen Schichten der Gesellschaft leben darf. „Wenn ich nach der Schule nichts in der Hand habe, nimmt mich doch kein Arbeitgeber!“ wird jetzt sicher gesagt. Natürlich existiert die Schule nicht in einem Vakuum sondern innerhalb gesellschaftlicher Strukturen.
Lösungen werden gefunden
Für den Übergang können jedoch sicher Lösungen gefunden werden. So gibt es in Amerika an Colleges Einführungstests für SchülerInnen und Schüler die von Sudburry Valley Schools (Freies Schulprojekt) kommen.
Die Befreiung der Schulen ist ein erster Schritt zur Emanzination der Gesellschaft, das ist der Schluss, zu dem LiSA kommt.
Wer ist die LiSA?
Die Linke SchülerInnen Aktion (LiSA), ist die relativ autonom arbeitende SchülerInnengruppe der JungdemokratINNen/Junge Linke, sie ist das Forum aller InteressentInnen für diesen Bereich. Sie fordern unter anderem die Abschaffung der Schulnoten, eine Wertedebatte über Demokratie und Solidarität sowie eine demokratische Schule.