Bologna Burns!
11.03.2010: Vom 11. bis 12. März treffen sich die BildungsministerInnen aus 46 europäischen Staaten, um das 10jährige Jubiläum des Bologna-Prozesses zu feiern. Die ebenfalls angereisten Studierenden aus ganz Europa wollen den MinisterInnen diese Party vermiesen.
Im vergangenen Jahr demonstrierten auf der ganzen Welt Studierende gegen ungerechte Bildungssysteme, Studiengebühren, die Ökonomisierung der Bildung und die Verschulung des Studiums. Dabei besetzten sie auch in zahlreichen Städten - teilweise über Monate - einzelne Gebäude auf Universitätsgeländen. Kein Wunder, dass zum Beginn des Bologna-Gipfels in Wien das Neue Institutsgebäude der Uni Wien erneut besetzt wurde.
Verbesserungen? Fehlanzeige!
Mit ihren Protesten hatten die Studierenden einen enormen öffentlichen Druck auf die BildungsministerInnen aufgebaut. In Deutschland versprach Ministerin Annette Schavan (CDU) große Reformen bei den Bachelor- und Mastersystemen, sowie mehr Investitionen in das Bildungssystem. Doch umgreifende Verbesserungen sind nicht Sicht. Mit ihrem neuaufgelegten Stipendienprogramm wird die schwarz-gelbe Bundesregierung nur einen kleinen Teil der Studierenden fördern - nämlich diejenigen, die bereits ein Stipendium haben. Es ist zudem ein Skandal, dass die Bundesregierung ihr Geld für die Stipendien vom SchülerInnen-Bafög abzwackt. Auf der einen Seite nehmen, um es der anderen Seite zu geben - so sieht Gerechtigkeit im Bildungssystem jedenfalls nicht aus. Schon bildet sich Widerstand gegen die Stipendienerhöhung. StipendiatInnen aus verschiedenen Förderungswerken haben die Seite www.stipendienkritik.de/ ins Leben gerufen und werben dort für eine Petition.
Master für alle!
Auch bei den neuen Bachelor- und Masterabschlüssen tut sich wenig. Der Bachelor hat zu einem total verschulten Studium geführt, in dem ein kritisches Denken ohne Geländer (Hannah Arendt) nur schwer möglich ist. Auch werden nicht alle StudentInnen ein Masterstudium aufnehmen können, weil diese Plätze stark begrenzt sind. Dabei sollen gerade die Masterstudiengänge ein breites wissenschaftliches Spektrum abdecken. Die Devise scheint zu sein, dass Studierende möglichst schnell mit ihrem Studium fertig werden und nur eine kleine Elite in den Genuß eines tiefergehenden Studiums kommen kann.
Auf zum Bildungsstreik 2010
Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche findet eben auch im Bildungssektor statt. Deshalb rufen StudentInnen in ganz Deutschland auch zu einem neuen Bildungsstreik 2010 auf. Dies zeigt, dass aus den Protesten des vergangenen Jahres organisierte Kräfte an den Unis hervorgegangen sind, die auch über mehrere Semester hinweg bereit sind für eine bessere Bildung auf die Straße zu gehen. Damit den BildungsministerInnen ihre Champagner-Feten bald sauer aufstoßen!
Mehr Infos: bolognaburns.org/