Im Auftrag des Hirn - Lernen ohne Geldsorgen!
15.09.2005: Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen! Die GRÜNE JUGEND setzt sich für ein elternuabhängiges Bafög und sozial gerechte StudentInnenjobs ein.
Viele StudentInnen in Deutschland bekommen kein oder zu wenig Bafög, da sie durch irgendwelche Maschen im Netz gefallen sind. Die Eltern können ebenfalls nicht zahlen. Klagen kommt für die wenigsten in Frage, und so kommt es, dass Jobs für StudentInnen extrem gefragt sind. Ein Blick auf die einschlägigen StudentInnen-Jobbörsen macht schnell klar: Hinterhergeworfen wird einem der Nebenverdienst nicht gerade. Drei der meistgewählten Bereiche: Call-Center, Promotion, Gastronomie.
Call-Center-Agent 007
Jan hat an drei Tagen in der Woche bis nach 17 Uhr Uni, doch die Schichten in seinem Call-Center beginnen um diese Uhrzeit. Es bleiben ihm also nur zwei Tage in der Woche, um zu arbeiten. Damit kommt er aber nur auf knapp zehn Stunden und somit nur 70 Euro in der Woche. Deswegen hat er sich nach einem Call-Center mit flexibleren Arbeitszeiten umgesehen. Doch Lotto-Kunden werben oder anderen einen neuen Telefonvertrag andrehen wird meist nur nach Provision bezahlt. Zu unsicher für Jan und zu erniedrigend. Er sucht weiter nach einem Job - seine Bank ist nicht erfreut, sein Magen meist auch nicht.
"Guten Tag, hätten Sie einen Moment Zeit für mich?"
"Guten Tag, hätten Sie einen Moment Zeit für mich?"
Sylvia hat sich für einen Promotion-Job entschieden. 7 Euro pro Stunde sind eine sehr gute Bezahlung in Berlin! So steht sie drei mal vier Stunden in der Woche auf der Friedrichstraße oder am Alex und versucht die vorbeihuschenden Passanten mit einem bezaubernden Lächeln von ihrem Arbeitgeber zu überzeugen. Manchmal, wenn sowohl das Wetter, als auch die vorbeilaufenden Passanten wieder einmal besonders kalt sind, möchte sie nur weinend nach Hause rennen. "Im Winter ist der Job extrem hart!" Sylvia hat eine 50-Stunden-Woche. Für Freizeitaktivitäten, Freunde oder einfach mal ein gutes Buch lesen ist meist wenig Zeit. "Und dennoch ist das Geld denkbar knapp. Ich muss weiterhin jeden Euro umdrehen."
"Geben Sie ihre Rechte bitte an der Garderobe ab!"
So könnte die Aufforderung in so manchem gastronomischen Betrieb lauten, wenn einE neueR StudentIn ihren Dienst antritt. Die Angebote sind vielseitig: für 4,50 Euro/Stunde arbeiten. Oder für 5,50 Euro aber mit Umsatzbeteiligung, doch Pflicht: am Wochenende mindestens eine Schicht. Oder für 6,50 Euro allerdings mit Schichten von mindestens sieben Stunden. Desweiteren: Regelmäßig früher erscheinen, als man arbeitet, kein bezahlter Urlaub, keine Sozialversicherung, Überstunden - wenn überhaupt - dann nur schwarz ausgezahlt, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - kurz: keine ArbeitnehmerInnenrechte! Erwischt man zudem Schichten, die bis in die Nacht gehen, ist ein zerstörter Biorhythmus gleich inklusive.
Der Traumjob - schon weg!
10,98 Euro/Stunde, 10 Stunden in der Woche für eine einfache Arbeit - so sieht er aus, der Traumjob aller StudentInnen. Bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlte Überstunden! Bis zu 100 StudentInnen bewerben sich dann auf eine solche Stelle - sehr wahrscheinlich, dass mindestens eineR dabei ist, der/die bessere Qualifikationen aufweisen kann, als man selber. Also weiterhin die 50- oder gar 60-Stundenwoche abrackern für ein Studium, dessen Noten zu wünschen übrig lassen werden - wann hätte man groß lernen sollen? Nicht wenigen jungen Menschen bleibt dieses oder ein ähnliches Schicksal beschert - damit muss endlich Schluss sein!
Unsere Forderungen
Die GRÜNE JUGEND setzt sich daher für ein elternunabhängiges Bafög für ALLE Studierenden und Auszubildenden ein, um ein Lernen ohne Geldsorgen zu ermöglichen. Studiengebühren aller Art müssen abgeschafft bzw. erst gar nicht eingeführt werden. Viele Studierende arbeiten in Jobs, die reguläre Stellen ersetzen, nur: zu einem wesentlich niedrigeren Lohn, ohne Sozialversicherungsbeitrag und ohne essentielle ArbeitnehmerInnen-Rechte zu wahren. Damit muss Schluss sein! Kein Student sollte es nötig haben, mehr als zehn Stunden in der Woche zu arbeiten! Deswegen müssen StudentInnen-Jobs angemessen vergütet werden, das gleiche gilt auch für Praktika!