Mehr Demokratie dem Tegernseer Tal!
15.11.2005: Das Gymnasium Tegernsee darf nur dann nach dem Gründer des Metro-Konzerns Otto Beisheim umbenannt werden, wenn die Rolle Beisheims im Dritten Reich aufgeklärt wird.
Zur Vorgeschichte:
Das Gymnasium Tegernsee sollte 10 Millionen Euro von der Beisheim-Stiftung bekommen, wenn es sich in Otto-Beisheim-Gymnasium umbenennt. Otto Beisheim ist der Gründer des Metro-Konzerns (Galeria Kaufhof, Media Markt, Saturn, Real, Extra und Praktiker) und lebt heute 82-jährig in der Schweiz. Zu Behauptungen, er sei im Dritten Reich SS-Scharführer gewesen und habe der Leibstandarte-SS Adolf Hitler angehört, hat sich Beisheim selbst bisher nicht öffentlich geäußert. Das Lehrerkollegium des Gymnasiums Tegernsee beschloss, der Umbenennung nur zuzustimmen, wenn Vergangenheit Beisheims geklärt wird (siehe offener Brief der GJ Bayern). Bürgermeister aus der Region haben jetzt gefordert, die Namen der Lehrer zu veröffentlichen, die sich für eine Überprüfung der Vergangenheit Beisheims ausgesprochen haben.
Mehr Demokratie dem Tegernseer Tal
Die Grüne Jugend Bayern stellt sich entschieden gegen die Forderung der Tal-Bürgermeister. Die Entscheidung des Lehrerkollegiums, die Rolle Beisheims im Dritten Reich zu klären, ist weder eine Schuldzuweisung noch eine Ablehnung der Stiftung, sondern die Aufforderung zur Diskussion über die Person und die mit ihr verbundenen Werte. „Damit sollen sich die SchülerInnen des Gymnasiums Tegernsee ja zukünftig identifizieren. Für uns ist es mehr als verständlich, dass die Schule einen neuen Namen nicht ohne Nachfragen annimmt“ kommentiert Luise Säckel, Vorstandsmitglied der Grünen Jugend Bayern.
Die Namensgeber öffentlicher Institutionen sollen tief mit unseren gesellschaftlichen Werten und Moralvorstellungen verbunden sein. Somit gehört die Diskussion um den Namensgeber zur gängigen Praxis demokratischer Gepflogenheiten, wie sie im heutigen Deutschland üblich sind.
In der Stellungnahme werden die Lehrer, die der Umbenennung kritisch gegenüberstehenden, pauschal als faul, neidisch, unengagiert und untragbar verurteilt. Die Bürgermeister fordern die öffentliche Namensnennung der betroffenen Lehrkräfte, denn es sei höchste Angst geboten welche Mentalität den Kindern eingepflanzt würde. Zudem wird ihnen der Antrag auf „schnellst mögliche Versetzung an ein anderes Gymnasium“ nahe gelegt.
Zur grundlegenden Ordnung demokratischer Entscheidungsprozesse gehört, dass die unabhängigen Voten zuständiger Gremien akzeptiert werden. Wer dies nicht anerkennt und stattdessen auf üble Diffamierungen zurückgreift, wie von Seiten der Tal-Bürgermeister geschehen, der ist des Amtes eines bayerischen Volksvertreters nicht würdig. „Der Pranger ist im 21. Jahrhundert kein legitimes Mittel der Kommunalpolitik. Wenn gewählte Politiker so wenig von Demokratie verstehen, dass sie getroffene Entscheidungen nicht akzeptieren können, dann ist das alles andere als zum Lachen! Deshalb fordert die Grüne Jugend Bayern den sofortigen Rücktritt der Bürgermeister des Tegernseer Tals. Besagte Kommunalpolitiker haben in einer unsäglich antidemokratischen Weise reagiert und damit ihre Unvermögen als gewählte Volksvertreter an den Tag gelegt.“
Siehe auch
taz-Artikel Herr Beisheim kauft sich eine Schule