Liebe Demonstranten, liebe Kiffer, liebe Verfolgte,
26.08.2000: Rede von Werner Graf zum 3. Hanftag in Regensburg am 26.08.2000
mh, Verfolgte, naja ist das übertrieben oder trifft das den Kern. Ich glaube es trifft zu. Verfolgt von der Staatsmacht und von der Üblen Nachrede des Volkes. Ich kenne nur wenige Kiffer, die noch keinen Verfolgungsfilm geschoben haben. Und warum das alles. Nur weil sie ein Produkt zu sich nehmen, das doch auch so Böse ist.
Ja, nur weil sie eine weiche Droge konsumieren. Doch wenn sich der Urbayer täglich seine Maß Bier zu Gemüte zieht sagt da keiner was. Nein sogar im Gegenteil. Das ist ganz ok. Auch wenn jemand nach einem Saufgelag rumschlägert kann das schon mal vorkommen. Kiffen das geht aber nicht. Diesen kleinen Kiffer den müssen wir verfolgen. Liebe Leute, das stellt eine ungerechte Behandlung dar und muß aufgehoben werden.
Ich stehe nun vor euch als Sprecher der GRÜNEN JUGEND. Und viele werden mir ankreiden, dass doch nun meine Partei am Zuge währe und endlich einmal Cannabis legalisieren soll. Liebe Mitstreiter, im Wahlkampf zur letzten Bundestagswahl habe auch ich „Hanf statt Kohl" Aufkleber verteilt und ich habe daran geglaubt, dass wir es umsetzten können. Doch leider ist hier bis dato nichts passiert. Doch ich kann euch versichern, dass liegt nicht an den Grünen. Dies liegt an der Volkspartei SPD, die darauf bedacht ist, den Volk nach dem Maul zu reden, wie es in Bayern so schön heißt. Und eines müssen wir sehen, die meisten Menschen in unserem Volk glauben immer noch, dass man sich Marihuana spritzt und das dies doch wohl eine der übelsten Drogen der Welt ist.
Das Cannabis nicht körperlich Abhängig macht wissen sie nicht.
Das Cannabis bei weitem nicht so schädlich ist wie Alkohol oder Nikotin wissen sie nicht.
Das Cannabis in der Medizin als hervorragendes Heilmittel eingesetzt werden kann wissen sie nicht.
Das Cannabis hervorragend zur Herstellung von Kleidung, Lebensmitteln und Papier geeignet ist wissen sie nicht.
Es gibt wenig Bereiche in unserer Gesselschaft, in denen eine so große Volksverdummung vorherrscht, wie im Bereich von illegalen Drogen
Wenn wir wo ansetzten und was erreichen wollen, dann müssen wir bei der Aufklärung ansetzten. und darum
Ist es wichtig, dass wir auf das Thema Drogen aufmerksam machen!
Ist es wichtig, dass wir unsere Meinung zu diesem Thema kundtun!
Ist es wichtig, dass wir eine Lobby für die Legalisierung schaffen durch Aufklärung!
Aufklärung ist eines der wichtigsten Säulen auf dem Weg hin zur Legalisierung von Cannabis und zur Entkrimminalisierung von Konsumenten.
Doch auch politisch ist und bleibt grüne und junggrüne Programatik die Legalisierung von Cannabis.
Doch wir müssen auch realistisch sein, und wir müssen sehen, dass diese Regierung wegen der SPD die Legalisierung nicht in dieser Legislaturperiode umsetzten wird. Aber wir müssen nun für kleinere Schritte kämpfen. Schritte, die endlich einmal in die richtige Richtung gehen und auch die Aktzeptanz bei der breiten Bevölkerung im Bezug auf illegale Drogen erhöhen.
Hier ist wichtig:
1. Einführung von Drugchecking
Dies ist ein wichtiger Punkt, der nicht mehr über das Gesundheitsamt laufen darf. Hier müssen Plätze, zum Beispiel vor Diskoteken, geschaffen werden, an denen man prüfen lassen kann, was in der Pille drin ist, und dass ganz ohne rechtliche Bedenken.
Gefährden wir endlich diese Leute nicht mehr und lassen wir sie im klaren, was sie sich schmeißen. Denn Versuchkanninchen können in der Medizin manchmal angebracht sein. Menschen dürfen aber nicht als solche benützt werden.
2. Cannabis muß in der Medizien mehr gefördert werden.
Liebe Leute, hier ist viel handlungsbedarf. Vor kurzer Zeit hatte ich in Berlin ein schönens Erlebnis: Es kam eine alte Frau zu mir und sagte, dass sie Krebs hätte und Cannabis am besten gegen ihre Schmerzen helfen würde. Aber sie dies nicht vom Doktor bekäme. Sie wollte nun von mir dann wissen, woher sie dies denn bekommen würde.
Das kann doch nicht sein, dass man dieser Frau lieber Medikamente mit hohen Nebenrisiken gibt als ein bißchen Cannabis. Hier darf es in Zukunft nicht nur ein paar Ausnahmefälle geben, sondern dieser Bereich muß stark gefördert werden.
3. Das Samenverbot muß endlich aufgehoben werden
4. Höherer Level für die Einstellung des Verfahrens wegen Eigengebrauchs
Hier müssen wir zu einer bundesweit einheitlichen Regelung kommen, die einem erlaubt mindestens 30 Gramm Cannabis dabeizuhaben ohne bestraft zu werden. Auserdem muß diese Vorschrift verbindlich für die Staatsanwälte werden und nicht nur eine Empfehlung sein.
Liebe Leute, ich komme gerade aus Berlin, dort würde ich ganz anders bestraft werden, wenn sie mich mit Cannabis erwischen würden als hier in Bayern. Das ist doch nicht gerecht und Entspricht auch nicht dem Gleichheitsprinzip.
5. Die Führerscheinproblematik
Die Bestrafung des Konsumenten von Cannabis, die am 1.1.99 verschärft worden sind müssen rückgängig gemacht werden.
Es wurde eingeführt, dass einem der Führerschein entzogen wird, wenn einem der Konsum nachgewiesen wurde. Liebe Leute, dies ist ungerecht und steht in keinem Verhältnis mit dem Umgang von Konsument von Alkohol, die noch mit 0.5 Promille fahren dürfen.
Hierzu empfehle ich euch auch die Broschüre der GRÜNEN JUGEND genau zu diesem Thema.
Liebe Leute, diese Punkte können die Legalisierung nicht ersetzten, aber sie sind erste Schritte hin zu mehr Akzeptanz in der Bevölkerung und hin zu der endgültigen Freigabe von Cannabis.
Wir müssen nun die Bevölkerung auf dieses Thema aufmerksam machen. Wir müssen für diese ersten Schritte kämpfen.
Wir müssen mit diesen Schritten Aktzeptanz gegenüber illegale Drogen schaffen
Wir müssen vehement diese Schritte einfordern
Um das Endziel die Legalisierung zu erreichen. Laßt uns dafür demonstieren und dafür streiten.
Legalize it!
[Rede am 26.08.2000 in Regensburg von Werner Graf, Sprecher der GRÜNEN JUGEND]