Einstiegsdroge Musik
26.08.2003: Identität durch Musik? SPUNK-Redakteurin Jule Engel stellt sich diese Frage, und siege da, sie bekommt eine Antwort.
"...wir hatten Sex in den Trümmern und träumten... wir fanden uns ganz schön bedeutend...", singen die Sterne es durch den kleinen Konzertraum, in dem sich viele glückliche Menschen den Schweiß des Tanzens von der Stirn wischen. Das Gefühl mit der Musik verbunden zu sein kommt in allen auf und schweißt die groovende Menge gedanklich für einen Moment zusammen.
Und solche Musik soll unsere Identität beeinflussen?
Eine CD wird mit den Worten "eine ordentliche Portion Hass" angepriesen und ist Teil der ca. 500 Tonträger, die in den letzten zehn Jahren von rechtsextremen Skinheadbands produziert wurden. Bis zu 15.000 Exemplare pro Auflage lassen die Intention der Rechtsextremen erkennen: Beeinflussung durch kulturelle Verankerung. Seit Ende der 80er Jahre wird nun die rechte Musikszene besonders von denen gefördert, die sich dadurch nationalistisch denkende NachfolgerInnen erhoffen.
Donald, der Gründer des Nazi-Skinhead-Netzwerks Blood&Honor, brachte die Idee auf den Punkt: "Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näher zu bringen, besser als jede politische Veranstaltung." So finden sich jetzt immer mehr "DJ Adolfs", die die Parole "Gewalt ist geil!" verbreiten und junge Menschen dazu bringen sollen, ihre engstirnige und verkommene Sicht der Politik zu teilen. Mit Erfolg?!
Genauso geht es den Dieter Bohlens dieser Welt, die durch immer wiederkehrende Superstarsuche Boy-/Girlgroupweltwunder erschaffen. Britney Spears, sicherlich auch ein Opfer einer solchen Machenschaft, beispielsweise singt von "all you people look at me like I'm a little girl` und verkauft damit ihre Alben millionenfach. Es sind diesmal die prepubertierenden Mädchen voll naiver Weltansicht, auf welche dies zugeschnitten ist und die sich ihren Vorbildern nacheifernd auch artig so geben. Die Identität von Millionen junger Menschen, verpackt in einen kleinen Superstar, mit der Aufgabe, möglichst das zu singen, was eine breite Masse anspricht. Identitätsbeeinflussung?
Marktlücken scheint es keine mehr zu geben, zwischen den zahlreichen Jungenformationen, die gleich bleibend aus muskulösen Zahnpastalächlern bestehen, den emanzipierten Girlgroups, die von der großen Liebe singen, sowie den "Deutschland ist ein schönes Land, wir lieben es so sehr"-Posaunern und ihren Feinden, den "Ich will Nazis, die wie Poster hängen"-Sängern.
Und so folgt daraus auch die Leitlinie der Blood & Honour-Bewegung: "Rechte Musik hören ist okay. Rechte Musik zu hören, ohne daraus Aktionen abzuleiten, aber nicht." Musik, egal welcher Art, weckt Emotionen - entweder sie beruhigt, oder bauscht Hass auf - lässt Agression hervor. Jedenfalls ist dies das Ziel. Doch wenn Nationalsozialismus als Abenteuer verkauft wird und die Jugendlichen durch Musik von Landser oder White Aryan Rebels auf rechtsextremenen Musikevents von CC88 dahingehend beeinflusst werden, ist es mit Identitätsbildung nicht mehr weit.
Auf der Mailingliste des Fachforums Antifa kannst du mit uns über diesen Artikel diskutieren. Informationen zu dieser und anderen Mailinglisten gibt es hier.