Besser Hanf für Alle als 16 Jahre einigeln - Die Kampagnen

01.02.2004: In den letzten zehn Jahren hat es in der Grünen Jugend viele Kampagnen und einige Kampagnen-Versuche gegeben. Eine Auswahl von Spunk-Redakteurin Kadda Rönicke

16 Jahre Kohlsuppe ...

... und was wir davon in den ersten vier Jahren auslöffeln wollen." Mit diesem Slogan ging das Grün-alternative Jugendbündnis 1998 in den Bundestagswahlkampf. Bis jetzt berufen wir uns weiterhin oft auf einige dieser Ziele wie "Cannabis legalisieren!", "Die Hälfte der MinisterInnen sollen Frauen sein!", "Keine Studiengebühren!" oder "Sofortausstieg aus der Atomkraft!". Unsere jungen KandidatInnen von damals waren zum Beispiel Christian Simmert, Grietje Bettin (heute im Bundestag), Matthias Berninger (heute Staatssekretär), Astrid Rothe (jetzt im Parteirat der Grünen) oder Steffi Lemke (damals "Melkerin" und heute politische Geschäftsführerin der Grünen).

Betonköpfe gab es nicht nur in der Kohl-Regierung. Auch in der SPD und manchmal auch bei den Grünen wird leider zu oft auf Machterhalt um jeden Preis anstatt auf ökologisch und sozial gerechte Konzepte gesetzt. In einem gemeinsamen Papier mit den Jusos forderten wir damals: Ökologie und Ökologie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt, sondern müssen miteinander verknüpft werden! Zweitens: Gleiche Rechte für Frauen und Männer! Drittens: Her mit der Hochschulreform! Viertens: Mit dem ökologischen Umbau jetzt beginnen! Und schließlich: Wer nicht ausbildet, wird umgelegt!

Wir greifen nach den Sternen

Am 26. April 1999 startete unsere Europa-Kampagne. Bei einer Aktion in Paris mit jungen Grünen aus ganz Europa setzten wir ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Vom 28. Mai bis zum 3. Juni fand in Köln der Doppel-Gipfel aus EU- und Weltwirtschaftsgipfel statt. Zusammen mit dem "Bündnis Köln 99" und anderen Jugendorganisationen organisierten wir einen Alternativgipfel. Höhepunkt war die Abschlussdemo gegen Erwerbslosigkeit, prekäre Beschäftigung und soziale Ausgrenzung.

Wir thematisierten zur Wahl die "Festung Europa", die sehr restriktive Einwanderungs- und Asylpolitik der EU. Wir machten Hindernisläufe zum sozialen Europa, um das Ungleichgewicht zwischen der wirtschaftlichen und der sozialen Integration Europas aufzuzeigen. Ein weiteres heißes Thema war das Demokratiedefizit der EU. Und auch Euratom wollten wir schon damals verhindern.

Das mittelgroße Desaster um drei Austritte aus der grünen Fraktion nach der Europawahl lastet bis heute schwer auf uns. Mit Ilka Schröder hatten wir die damals jüngste Kandidatin mitunterstützt. Von den beiden anderen Ausgetretenen spricht heute noch selten jemand. Das "Ilka-Syndrom" allerdings ist noch fest in vielen Parteiköpfen und haftet bisweilen leider an der Grünen Jugend (so dass auch noch Parteitag in Dresden 2003, der die Kandidaten zur Europawahl 2004 wählte, böse Gerüchte über den Kandidaten der Grünen Jugend gestreut wurden ...).

Drogenkampagne

Neue Kampagne, altes Ziel: eine humane Drogenpolitik. Die Wende dahin konnte uns nicht schnell genug gehen: "Wer Spaß mit Drogen hat, soll seine Ruhe haben. Wer Probleme hat, braucht Hilfe und keine Strafe." Unsere Ziele: Schutz von Körper und Geist vor schädlichem Einfluss von Drogen. Weniger Drogentote. Mehr und einfachere Ausgabe von Methadon und Codein. Heroin auf Rezept. Spritzen in Gefängnissen. Flächendeckend Fixerräume. Mehr Therapieplätze. Drogenmündige Gesellschaft. Drogenfachgeschäfte, die unter Auflagen und mit Beipackzettel bestimmte Drogen verkaufen " und zwar soviel mensch möchte.

Big Mama is watching you!

Willkommen im Jahr 2001. Das Jahr der Überwachung. Auf öffentlichen Plätzen entsteht ein regelrechter Kamera-Boom, BürgerInnen werden beschattet. Nicht mit uns. Unser Konzept: Recht auf Privatsphäre. Unsere Kampagne: "Big Brother is watching you". Unsere Ziele: Privatsphäre auch in der Wissensgesellschaft, Recht auf Anonymität, Informationsfreiheit, Wahrung der Grund- und Freiheitsrechte und mehr Datenschutz. Leider ging die Kampagne irgendwann ziemlich unter. Die Idee dahinter war auf jeden Fall gut. Kommt irgendwann "Big Mama reloaded""

Einigeln gilt nicht!

Die Schwerpunkte beim Bundestagswahlkampf waren Bildung, Drogen und BürgerInnen-Rechte/Innere Sicherheit. Wir ließen einen Joint durch Deutschland gehen und veranstalteten einen Überwachungstag auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. 30.000 Unterschriften kamen unter unseren Aufruf unter www.hanf-fuer-alle.de. In Dirndln verteilten wir gefakte Flyer pro Stoiber mit dem Slogan Zeit für"n Garten " als Persiflage auf den Stoiber-Slogan "Zeit für Taten". Auf unserer Drogen-Pressekonferenz mit Claudia Roth besuchte uns der Harald-Schmidt-Komiker Dr. Udo Brömme.