"Global denken, lokal handeln!"

03.10.2006: Ein Bericht von der ersten Sommerakademie der GRÜNEN JUGEND. Vier Tage lang waren rund 70 Menschen auf der Wasserkuppe im hessischen Teil des Rhöngebietes zusammen gekommen, um sich auf verschiedene und abwechslungsreiche Art und Weise mit dem Thema Globalisierung auseinander zu setzen.

Donnerstag, 14 Uhr: Die Tagungsstätte "Wasserkuppe" auf dem gleichnamigen 1.000m hohen Berg ist leer, lediglich eine kleine Gruppe von Jugendlichen tummelt sich draußen herum. Wunderbar, der Berg wartet nur darauf, von uns in Beschlag genommen zu werden. Drei Stunden, dann stehen die ersten TeilnehmerInnen vor der Tür. Es wird ausgeschildert, hin und hergeräumt, Räume hergerichtet, das Planspiel vorbereitet; schließlich soll für die anreisenden DiplomatInnen der WTO-Konferenz alles perfekt sein.

Am Abend steht das WTO-Polit-Poker "Wer gewinnt die Welt?" auf dem Programm. Nach einem etwas zaghaften und verhaltenen Beginn der Diskussionen zeigten sich ziemlich schnell die unterschiedlichen Standpunkte unter den WTO-MinisterInnen. Die Konferenzleitung bemühte sich zwar, die hitzige Stimmung in ordnungsgemäße Bahnen zu lenken, doch ließen sich die DiplomatInnen das Wort nur schwerlich wieder entreißen. Die ungewöhnlich harten Diskussionsformen der Entwicklungsländer - wie Burkina Faso oder Fidschi - hätte beinahe die Rhön-Runde zum Scheitern gebracht. Zeitweise gab es sogar Austrittsgerüchte. Nach drei Stunden intensiver Wortgefechte ging auch diese WTO-Konferenz wie schon die Genfer Runde im Juni 2006 ohne Einigung zu Ende.

Internationale Verflechtungen und Beziehungen offengelegt

Der Startschuss für die ersten vier Workshopphasen fiel am Freitag. Es gab jeweils bis zu vier verschiedene Veranstaltungen, aus denen jedeR TeilnehmerIn frei wählen konnte. Die meisten Interessierten fanden sich beim Einstiegsworkshop "Wer regiert die Welt? - Das Weltwirtschaftssystem unter die Lupe nehmen", "Fair Trade", sowie "Failed States" wieder. Wieder hieß es aufräumen, dieses aber in den Köpfen. Sven Giegold von attac Deutschland beseitigte das Institutionen-Wirrwarr und legte internationale Verflechtungen und Beziehungen offen. Diskutiert wurde anschließend darüber, was sich ändern müsste, um eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung herzustellen. Im Workshop "Fair Trade - Ewiges Randdasein oder Chance auf Mainstream?", erzählte der Leiter Welthandelszentrum gepa - Mitte Bede Godywell - von den Grundsätzen und der Entwicklung des Fairen Handels in Deutschland. Er wies außerdem auf den Spagat zwischen Weltläden, Einzelhandel und Massenvertrieb in Supermärkten, den Wettbewerb und den Herausforderungen auf dem weltweiten Markt hin, vor denen sich ein Faires Handelshaus wie die gepa behaupten muss. "Failed States sind Staaten ohne Regierung oder andere handlungsfähige Organe." Was dies in der Realität und völkerrechtlich bedeutet, erläuterte Hinrich Schröder von der Humboldt Universität Berlin im Workshop "Failed States und die Verantwortung der Weltgemeinschaft am Beispiel Somalias".

Besuch im Bionade-Werk

Das Rhöngebiet ist nicht für seine schöne Landschaft bekannt. Hier entspringt auch ein neudeutsches Nationalgetränk nach dem die gesamte Republik verrückt ist. Die BIONADE! Nicht unweit der Wasserkuppe befindet sich die Fabrik und so hat sich am Nachmittag eine kleine Gruppe aufgemacht, diese zu besuchen. Zur Belohnung unserer Neugier bekam die gesamte TeilnehmerInnenschaft zehn Kästen "Rote Holle", "Gelbe Lili" und Bio-Limo.

Inhaltlich abgerundet wurde der Abend mit einem offenen Gespräch zwischen Sven Giegold und unseren beiden SprecherInnen Paula Riester und Stephan Schilling mit der Fragestellung "Globalisierung: Fluch oder Segen?".

Karaoke-Singen löst verkrampfte Sitzmuskeln

Dass die Anwesenden vor Wissensdurst und Energie nur so strotzten, zeigte sich an der Inbrunst, mit der sich alle an dem letzten Teil des Tages beteiligten. Wer hätte gedacht, dass sich in der GRÜNEN JUGEND so viele begeisterte, mehr oder weniger talentierte, dafür aber zu 100 Prozent motivierte SängerInnen befinden? Dank Tobi und seiner Karaokeeinlage kamen unsere ans Sitzen gewöhnten Muskeln und Knochen noch einmal richtig in Fahrt. JedeR war dabei und selbst unsere ReferentInnen haben sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich als potenzieller Gesangsstar für den nächsten Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND Anfang November im Göttingen zu qualifizieren.

Esperanto-Seminar und Podcast-Workshop

Zum Vormittag hin gab es ebenfalls eine Reihe von Workshops. Aufgelockerte wurde das Workshopprogramm am Nachmittag vom "Markt der Möglichkeiten". Gewählt werden konnte zwischen Podcasten, Presse- und Öffentlichkeitstraining, Esperanto-Plansprache-Sprachkurs, einfach- nur- in- der- Sonne- liegen, Sommerrodeln oder der "Einsicht in das Tagebuch eines Baumes". Gut zwei Dutzend Leute machten sich auf, die Natur und Umwelt intensiver wahrzunehmen.

Nachdem der gesamte Tag im Vergleich zum Freitag lockerer gestrickt war, endete der letzte Abend auf der Wasserkuppe am gemütlichen Lagerfeuer, mit Stockbrot in der einen und Bier in der anderen Hand und einem wunderschönen Sternenhimmel über uns.

Fachforen-Frühstücks-Brunch - so begann der letzte Tag auf der Wasserkuppe. In entspannter Atmosphäre konnte mit den KoordinatorInnen der Fachforen über die momentanen Projekte und die Ideen für die Zukunft gesprochen werden.

Gut gefüllt, mit Brötchen & Co., neuem Wissen, Anregungen, Inspirationen, Ideen, Motivation und was jedeR einzelne sonst noch für sich entdeckt haben mag, brachen wir gegen Mittag auf.

Sommerakademie? Gerne wieder!

Aus meiner Sicht als Koordinatorin der Sommerakademie 2006 hoffe ich, dass es nicht die einzige bleibt. Die SomAk sollte das Herzstück unserer Bildungsarbeit innerhalb des Verbandes werden. Das Programm, die reibungslose Organisation, die Kompetenz der ReferentInnen und ModeratorInnen hat gezeigt, dass unser Verband inhaltlich wie organisatorisch eine Menge zu bieten hat und wir an den Themen der Zukunft mitgestalten wollen. Es können und machen, ganz im Sinne des "Global denken, lokal handeln!"

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Sommerakademie in Hessen