HIV und Aids bleiben die moderne Geißel der Menschheit
19.04.2007: Alle Jahre wieder. Spätestens zum Weltaids-Tag erinnern sich die Menschen kurz an die Krankheit, die weite Teile der Welt nach und nach zu verschlingen sucht. Doch oftmals geht das Engagement nicht über Lippenbekenntnisse und rote Schleifen hinaus. Ein Artikel von Josefine Paul.
Mittlerweile gibt es neue Zahlen und neue Einschätzungen zur weltweiten Situation. Und die stellt rein zahlenmäßig die Gefahren des internationalen Terrorismus in den Schatten.
Der aktuelle Jahresbericht der UN-Aids, des Programms der Vereinten Nation zur Bekämpfung von Aids und HIV, zeichnet ein düsteres Bild. Weltweit sind etwa 39,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert und die Kurve zeigt weiter nach oben. Es bedarf einer riesigen gemeinsamen Kraftanstrengung der internationalen Gemeinschaft, um die Epidemie einzudämmen.
Alle acht Sekunden infiziert sich ein Mensch mit HIV. Fast drei Millionen starben 2006 an der Immunschwächekrankheit. Besonders betroffen sind die Regionen südlich der Sahara, hier leben 63 Prozent der Infizierten weltweit. Auch in Osteuropa und Zentralasien schnellt die Infektionsrate in ungeahnte Höhen. Doch Zugang zu Medikamenten haben nach wie vor zu wenige Menschen.
Zwar konnte für das Jahr 2006 ein Anstieg auf 28 Prozent der Menschen, die dringend Hilfe benötigen, im Vergleich zu 2 Prozent im Jahr 2003, festgestellt werden, aber eine erfreuliche Aussicht ist das für die 72 Prozent, die noch keinen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten haben nicht. In zunehmendem Maße sind davon auch Frauen und Kinder betroffen. Mittlerweile leben weltweit 17,7 Millionen Frauen mit dem tödlichen Virus - das ist fast die Hälfte aller Infizierten. Die Lage ist noch brisanter, wenn man sich vor Augen führt, dass auch viele Schwangere Frauen betroffen sind, aber auch keinen Zugang zu Medikamenten haben, um eine Mutter-Kind Übertragung zu verhindern.
Aber nicht nur der Zugang zu Medikamenten muss verbessert werden. Auch die flächendeckende Verbreitung von HIV-Tests, Beratungsstellen und Präventionsarbeit bleibt ein Ziel, das noch lange nicht erreicht ist. In vielen Regionen der Welt ist das Wissen über die Krankheit so gering, dass Infizierte eine Art tickende Zeitbombe darstellen.
UN-Aids rechnet vor, dass die internationale Gemeinschaft etwa 17 Millionen Dollar in den nächsten drei Jahren bereitstellen müsste, um HIV und Aids wirksam behandeln und vorbeugen zu können. Derzeit stünden, laut Bericht, nicht einmal sechs Milliarden zur Verfügung. Nur jeder Vierte, der unter Armut und Aids leidet, könne derzeit behandelt werden.
Während in anderen Teilen der Welt die Gesamtbevölkerung, aber vor allem die arme Bevölkerung betroffen ist, ist in Deutschland die Hauptrisikogruppe noch immer die der Männer, die mit Männern Sex haben. Sie machen 70 Prozent der Infektionen aus. Aber trotzdem ist HIV auch in Deutschland eine Krankheit, die jeden und jede treffen kann. Prävention und Eigenverantwortlichkeit was den Schutz angeht sind auch hierzulande wichtige Themen, die nur leider viel zu häufig unter den Tisch fallen. HIV und Aids sind auch bei uns keine Erscheinungen, die sich auf den 1. Dezember, den Weltaids-Tag beschränken.
Die Zahlen zeigen es, zu einer Entwicklungszusammenarbeit, die ihren Namen verdient und zu einer Politik, die nur ansatzweise die Gleichheit der Menschen im Blick hat, müssen Maßnahmen gehören, die imstande sind, wirksam Hilfe zu leisten. UN-Aids hat es vorgerechnet. Jetzt ist die internationale Gemeinschaft (und an prominenter Stelle Deutschland) gefragt, um die Mittel zu einer flächendeckenden HIV-Bekämpfung bereitzustellen.
Josefine Paul koordiniert das Fachforum LesBiSchwul der GRÜNEN JUGEND.