Das war die Aktions-Tramp-Tour 2007

19.08.2007: 10 Tage lang waren GJ-AktivistInnen unter dem Motto: "Wir holen uns die Straße zurück!" in ganz Deutschland unterwegs, um für Demokratie, Toleranz und ökologisches Reisen zu werben. Von der Sommerakademie in Weimar ging es bis ins tiefschwarze Bayern - um dem Low-Budget-Image der Tour gerecht zu werden, wurde dabei ausschließlich getrampt.

Wie dringend erforderlich junggrüne Präsenz in Städtchen wie Eisenach, Peine, Dessau oder Schweinfurth zu sein scheint, haben Karl Bär und andere, die an der Tour beteiligt waren, von Beginn an erfahren können. Ob es nun die starken Zuläufe rechtsradikaler Jugendkameradschaften, die wie in Eisenach schon mal im Einzelnen 40 Mitglieder aufweisen können, oder fehlende Jugendkulturen sind, so wie im niedersächsischen Peine, das bei 50.000 Einwohnern keinerlei Jugendclubs und gerade mal eine Kneipe besitzt. Mit bunten, kreativen Aktionen versuchten die GJlerInnen vom 5. bis 15. August in Kooperation mit den dortigen, in vielen Fällen strukturell sehr dünn aufgestellten Basisgruppen diese Missstände aufzugreifen.

Fische haben keine Schutzanzüge!

In Eisenach wurde erst einmal lautstark gegen die - inzwischen überregional bekannt gewordenen - Pläne der Firma "Kali & Salz", ihre Abfallprodukte vom Kalisalzabbau mittels einer 60 Kilometer langen Pipeline in die nahe gelegene Werra abzuleiten - ein Coup ganz nach dem Geschmack der Kochschen Landesregierung in Hessen, die darin der Schaffung neuer Arbeitsplätze entgegensieht. Binnen weniger Zeit waren Schilder und Pappen bemalt mit Schriftzügen wie "Salz ist keine Salzlösung" und "Fische haben keine Schutzanzüge", um damit durch die Straßen zu ziehen und BürgerInnen sowie Lokalpresse für das Anliegen einer sauberen Werra aufmerksam zu machen. Im katholisch-konservativen, CDU-regierten Heiligenstadt hatte man gar die Idee, einen ersten offiziellen Christopher-Street-Day in der 17.000-Seelen-Provinz auszurichten. Als man, ausgestattet mit roten Herzen, Pfeifen und Trommeln, Ratschen und Technomusik, durch Straßen der Innenstadt zog, staunten die Einheimischen und es kamen schon mal Fragen wie "Wo ist denn hier die Christopherstraße?".

Im niedersächsischen Wechta warben die Aktiven für eine libertäre Drogenpolitik, indem sie einer dortigen Pferdestatue in der Innenstadt eine Scherpe um das Maul banden mit der Aufschrift: "Legalize it!", davor einen überdimensionalen Joint installierten, sowie den Rumpf des Pferdes mit Tüchern einkleideten, auf denen eine Reihe von Hanfblättern abgebildet ist. Der Polizei blieben die Tätigkeiten nicht lange verborgen; PassantInnen hatten sie informiert. Überraschenderweise wurden nur Personalien einiger Aktiver aufgenommen; die Verkleidung selbst wurde gestattet.

Und die Resonanz?

Alles in allem war man mit den verschiedensten Aktionen in Lokalteilen der einzelnen Regionalzeitungen (z. B. Thüringer Landeszeitung, nachzulesen im Grüne-Jugend-Blog) gut vertreten, wenn auch viele EinwohnerInnen die oftmals sehr direkt und provokativ erscheinenden Proteste nicht immer mit Wohlwollen betrachteten. Rufe wie "Verreckt, ihr Zecken!" oder "Scheiß Studenten!" gehörten ebenso zur Tour wie ernsthaft interessierte EinwohnerInnen, die mit der politischen Partizipation vor Ort alles andere als zufrieden waren und ihrem Frust über Kommunal- und Landespolitik Ausdruck verliehen. Man kann also von einem Erfolg sprechen, sodass es vielleicht schon im kommenden Jahr wieder heißt: On the road again!