Solibrief an Jürgen Hahnel
27.11.2009: Der Aktivist Jürgen Hahnel sitzt seit Juli 2009 in der Justizvollzugsanstallt Rottenburg, weil er sich bewusst und aus politischen Gründen geweigert hatte, Sozialstunden für den Besitz von Cannabisprodukten mit einem Gesamtwirkstoffgehalt von 9,8 Gramm THC abzuleisten. Wir schrieben ihm einen Brief in dem wir unseren Respekt vor dieser Courage und unsere Solidarität zum Ausdruck brachten.
Solibrief an Jürgen Hahnel
An: Jürgen Hahnel JVA Rottenburg Schloß 1 72108 Rottenburg.
Berlin, den 27.11.2009
Lieber Jürgen,
auf der Mailingliste des Landesarbeitskreises Drogen sowie auf der des Fachforums Drogen hat uns Max Plenert auf deinen Fall aufmerksam gemacht. Wir haben darüber diskutiert und beschlossen, dir diesen Brief zu schreiben.
Deine Geschichte zeigt uns ganz deutlich, wie krass die Repression in der Bundesrepublik Deutschland ist und wie absurd und unverhältnismäßig unsere Drogenverbotsgesetze sind.
Unabhängig von der Frage, ob es überhaupt irgendwer verdient hat, im Knast zu sitzen; du und alle anderen, die in der BRD oder sonst wo auf der Welt wegen Drogenkonsumdelikten einsitzen, haben es ganz sicher nicht verdient -- ihr habt niemandem etwas zuleide getan, niemanden bestohlen, geschlagen oder ermordet. Du hast Hanf wachsen lassen.
Dein persönliches Engagement für die Legalisierung und gegen die Repression ist beachtenswert. Du bist nicht einfach den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, du hast über deinen eigenen Fall hinausgedacht und handelst nun deinen inneren Überzeugung entsprechend.
Wir werden dich Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen.
Vorallem ist es uns wichtig, Menschen -- ob DrogenkonsumentInnen oder nicht -- von deinem Hungerstreik zu berichten, zumal man darüber in dem Spiegel oder der Süddeutschen womöglich nichts lesen wird.
Ganz konkret haben wir auf unserer letzten Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend Bayern und auf dem Bundeskongress der Grünen Jugend im Oktober in den jeweiligen drogenpolitischen Arbeitstreffen von deinem Fall erzählt.
Ferner werden wir versuchen über uns bekannte JournalistInnen deine Geschichte in Zeitungen, Zeitschriften und Blogs zu verbreiten.
Lass dich von niemandem unterkriegen, keiner politischen Instanz steht es zu, Natur zu verbieten und Menschen ihretwegen zu kriminalisieren.
Wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute und das nötige Durchhaltevermögen!
Über eine Antwort und weiteren Kontakt würden wir uns sehr freuen.
Mit solidarischen Grüßen, Maximilian Plenert, Bundesnetzwerk Drogenpolitik bei Bündnis '90 / Die Grünen Daniel Wolff und Franz Mayer, LAK Drogen der Grünen Jugend Bayern Katrin Witter, Fachforum Drogen der Grüne Jugend Bundesverband Swantje Fischer und Stefan Christoph, SprecherInnen der Grünen Jugend Bayern Isabel Schmuck, Sprecherin der Grünen Jugend Oberfranken