Neue Wege in der Drogenpolitik

20.07.2005: Für saubere Drogen und eine kontrollierte Abgabe.

Noch nie waren in Deutschland so viele Drogen verboten wie zur Zeit. Gleichzeitig konnten in Deutschland noch nie höhere Drogenkonsumraten gemessen werden als zur Zeit. Drogen sind überall, auf dem Schulhof, in der Uni, bei der Arbeit und im Altersheim. Sei es die jugendliche Kifferin, der koksende Abgeordnete oder die rauchende Oma. Ob die Droge dabei verboten oder legal ist, macht, bezogen auf die Frage, wie viel eine Substanz konsumiert wird, keinen Unterschied.

Der Unterschied zwischen legalen und illegalen Stoffen besteht vornehmlich in der Reinheit des Stoffes. Kann mensch bei Zigaretten an der Packung ablesen, wie viel Wirkstoffe enthalten sind, müssen Cannabis-KonsumentInnen ihre Tüten auf Verdacht mit Gras füllen. Wissen WeinliebhaberInnen, wie viel Alkohol sie sich mit einem Glas Rotwein hinter die Birne kippen, ist es den Ecstasy- KonsumentInnen nicht vergönnt zu wissen, wie viel und welcher Wirkstoff in der Pille enthalten ist.

Mündigkeit statt Abstinenz!

Ein vernünftiger Umgang mit Drogen ist möglich. Dafür muss aber akzeptiert werden, dass ein Drogenrausch nichts böses ist. Natürlich bergen Drogen Gefahren, wie Abhängigkeit und körper- körperliche Schädigungen. Diese gilt es zu minimieren. Die Hauptvoraussetzung dafür sind der Zugang zu sauberen, kontrollierten Voraussetzung und dosierbaren Drogen, eine ehrliche und umfangreiche Informationspolitik sowie eine akzeptierende Beratung – dies alles ist aber nur in der Legalität zu gewährleisten. Gefahren und Nutzen von Drogen selbständig abwägen zu können, ist der beste Schutz, den ein Mensch haben kann.

Fachhandel statt Schwarzmarkt!

Der Drogenschwarzmarkt ist ein zentrales Standbein der organisierten Kriminalität und eine Finanzquelle des internationalen Terrorismus. Ein legaler Drogenfachhandel wäre eine vernichtende Konkurrenz für die- diesen Schwarzmarkt. Eine zusätzliche Drogensteuer könnte zu Teilen zur Finanzierung für Aufklärungs- und Hilfemaßnahmen genutzt werden. Zusätzlich könnte eine Vielzahl legaler Arbeitsplätze geschaffen werden. Viele gesundheitliche Schäden von DrogenkonsumtInnen lassen sich derzeit auf "schmutzige" Drogen sowie einen falschen Umgang zurückführen. Würden Drogen unter legalen führen. und kontrollierten Bedingungen hergestellt und mit einem Beipackzettel gestellt verkauft, ließen sich diese Schäden auf ein Minimum reduzieren.

Hilfe statt Verfolgung!

Solange es Drogenkonsum gibt, wird es immer einen Missbrauch geben. Meist sind soziale Probleme wie Perspektiv- oder Arbeitslosigkeit die eigentlichen Ursachen für Drogenmissbrauch. Der Staat muss akzeptierende Angebote schaffen, um diesen Menschen zu helfen, ihre eigentlichen Probleme zu lösen. Bestrafung oder die Fixierung auf eine Drogenabstinenz sind nachweislich der falsche Weg.

Die Irrelevanz des Drogenverbots

Die konservative Drogenpolitik basiert auf der Idee, durch Repression sowohl Angebot als auch Nachfrage nach illegalen Drogen zu verringern. Die Realität zeigt, dass trotz einer Strafverfolgung, die Milliarden kostet, die Drogenpreise sinken, die Verfügbarkeit immer noch sehr hoch ist und die Androhung von Strafe die Zahl der DrogenkonsumentInnen nicht senkt. Beispielsweise konsumieren in den Niederlanden nicht mehr Menschen Cannabis, obwohl es dort quasi legal und in Coffeeshops problemlos erhältlich ist.

Stichwort: Gute Drogen – Schlechte Drogen

Drogen sind unter den richtigen Bedingungen kontrollierbarer und harmloser als allgemein angenommen. Voraussetzungen sind allerdings gute Drogen – also Substanzen, die frei von gefährlichen Verunreinigungen sind und deren Dosis gezielt festgelegt werden kann. Zudem müssen die KonsumentInnen ausreichend informiert sein, wie die jeweilige Droge einzusetzen ist. Selbst sehr potente Drogen wie Heroin werden beispielsweise in England in der Schmerzmedizin problemlos eingesetzt und in der Schweiz erfolgreich an KonsumentInnen abgegeben.

Forderungen

  • Legisierung aller Drogen!
  • Verbote verhindern den Konsum von Drogen nicht, sondern kriminalisieren nur die KonsumentInnen und führen zur Verunreinigung der Drogen.

  • Drogenfachgeschäfte für alle Drogen!
  • Alle Drogen – auch Zigaretten und Alkoholika – sollen ausschließlich von geschultem Drogenfachpersonal in Drogenfachgeschäften verkauft werden.

  • Akzeptierende Beratungen!
  • Nicht die Totalabstinenz, sondern die Hilfe und das Schicksal jedes einzelnen Menschen muss im Vordergrund stehen. Egal, ob der Mensch mit oder ohne Drogen glücklich werden will.

  • Wirklichen Jugendschutz vorantreiben!
  • Niedrigschwellige Drogenangebote wie Zigarettenautomaten und Werbung für Drogen müssen verboten werden.

  • VerbraucherInnenschutz im Drogenhandel
  • Jeder gekauften Droge muss in Zukunft ein Beipackzettel mit Risiken und Nebenwirkungen beiliegen und die Qualität der Drogen muss kontrolliert werden.

  • Mehr Drogenaufklärung!
  • Drogenstoffkunde mit dem Ziel der Drogenmündigkeit und Abhängigkeitsprävention muss flächendeckend eingeführt werden.

Erhebung einer Drogensteuer!

Zugehörige Dateien:
Flyer_Drogen.pdfDownload (373 kb)