Anträge an die BDK von Bündnis 90/Die Grünen zum Wahlprogramm

14.04.2002: Vorstandsbeschluss vom 14.04.02


Z.1162 ergänzen:

"Wir wollen das aktive Wahlrecht bereits ab 14 Jahren durchsetzen; weiter engagieren wir uns für eine Verfassungsänderung, die Einwanderern mit Niederlassungsrecht das aktive wie passive Wahlrecht in den Kommunen und Bundesländern zugesteht."

Begründung:
erfolgt mündlich



in Zeile 1203 nach "...gebunden werden" einsetzen:

"Wir erkennen die Bedeutung der Informationsfreiheit als zentrale Voraussetzung für eine freie und möglichst gut informierte demokratische Öffentlichkeit an. Für die Leistungsfähigkeit eines demokratischen Verfassungsstaates ist es notwendig, eine möglichst offene Kommunikationsstruktur zu erhalten. Deswegen lehnen wir zentrale Sperrungen von Webseiten ab. Diese sind technisch und demokratisch schwer zu kontrollieren und bergen mehr Gefahrenpotentiale als Nutzen für unsere Demokratie. Wir lassen uns nicht von populistischen Lösungen beeinflussen, die einen vermeintlichen Jugendschutz suggerieren. Stattdessen setzen wir auf Medienkompetenz und Selbstkontrolle."

Begründung:

Im Moment versucht die Bezirksregierung (!) Düsseldorf Webseitensperrungen durchzuführen. Provider werden angewiesen, bestimmte Rechtsradikale Seiten "aus dem Netz zu entfernen". Diese Sperrungen sind allerdings durch 3 Mausklicks zu entfernen, ein hoher Verwaltungsaufwand und Beschäftigungstherapie bei den Providern sind garantiert. Neben der Tatsache, dass eine Bezirksregierung nicht über Grund- und Freiheitsrechte entscheiden darf (Zensur), kommt noch das Problem hinzu, dass es momentan technisch überhaupt nicht lösbar ist. Diese Bestrebungen hörte man bisher auch nur aus Staaten wie China, Saudi Arabien, Bahrain, etc. Dies alles soll angeblich den Jugendschutz gewährleisten. Wir lassen uns nicht von populistischen Lösungen beeinflussen, die einen vermeintlichen Jugendschutz suggerieren. Ein Jugendschutz, der durch 3 Mausklicks aufgehoben werden kann, verleitet eher Jugendliche dazu, dies auszuprobieren. Mit dieser Position schliessen wir uns dem Eu-Parlament an und fordern mehr Medienkompetenz und Selbstkontrolle.

Auszug EU-Parlament zu Webseitensperrungen:

"Das Europäische Parlament ist der Auffassung, dass die Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Internet-Industrie, den Regierungen und den nationalen und regionalen Behörden die wirksamste Möglichkeit darstellt, gegen schädigende und illegale Inhalte im Internet vorzugehen, und zeigt sich besorgt, dass die jüngsten Entscheidungen bzw. Strategien im Hinblick auf die Blockierung des Zugangs zu bestimmten Websites zur teilweisen Einschränkung des Internetzugangs bzw. zur Verhinderung des Zugangs zu rechtmäßigen Inhalten führen können und deshalb keine wirksame europäische Lösung für die Bekämpfung illegaler und schädigender Internetinhalte darstellen."


in Zeile 1210 nach "...open source" einsetzen:

"..., besonders in der Verwaltung, monopolistische Tendenzen durchbrechen, "

Begründung:
B90/Die Grünen haben im Jahre 2000 bereits umfassende Positionen zu Open Source beschlossen. Gerade die Umrüstung der Verwaltung auf Open Source Software hat eine Signalwirkung, um monopolistische Tendenzen zu durchbrechen. Die Entscheidung des Bundestages, teilweise auf Open Source Software (Linux) umzurüsten, zeigt dies.


nach Zeile 1212 einfügen:

"Deshalb lehnen wir auch Softwarepatente ab, die auf Kosten der grossen Mehrheit, Marktbarrieren in einer der Schlüsselbranchen des 21. Jahrhunderts schaffen sollen."

Begründung:

Softwarepatente, die es bisher in Europa nicht gibt, patentieren logische Algorithmen. Dies nützt nur wenigen grossen Konzernen, die sich grosse Patentabteilungen leisten können, sowie den Patentanwälten. Kleine und Mittelständische Unternehmen, sowie die ganze Open Source Community sind durch die geplante Einführung von Softwarepatenten gefährdet. Wir haben nichts gegen Patente an sich, in manchen Branchen dienen sie der Investitionssicherheit, im Softwarebereich werden allerdings keine Erfindungen gemacht, sondern logische Schritte entdeckt, ähnlich der Mathematik. Mathematische Verfahren wurden zum Glück nicht patentiert. B90/Die Grünen haben schon 2000 die Grüne Jugend Resolution "Freie Software für alle" auf einem Länderrat einstimmig beschlossen, in der Softwarepatente abgelehnt werden.


in Zeile 1209 nach "...nehmen wir ernst." einfügen:

Bündnis 90/Die Grünen setzt sich für eine friedliche Nutzung des Cyberspace ein. Ähnlich wie bei atomaren Waffen muss es auch für den Cyberspace ein international abgestimmtes Moratorium bei der Entwicklung von Cyberwaffen und Cyberkriegskonzepten geben. Mittelfristig wollen wir eine internationale Konvention zur friedlichen Nutzung des Cyberspace erreichen. Gegen Hackerangriffe wollen wir keine Überwachung im Cyberspace, sondern mehr IT-Sicherheit. Dazu fordern wir eine Produkthaftung der Hersteller und Vielfalt von Betriebssystemen und Software. Durch Förderung von open-source-Systemen wollen wir darüber hinaus monopolistische Tendenzen durchbrechen und die Teilhabe aller am Nutzen der neuen Technologien ermöglichen.

Begründung:

Die Aussage "Mögliche Bedrohung ziviler Datennetze durch Hackerangriffe und die Gefahren virtueller Kriegsführung nehmen wir ernst." ist nichtssagend und eher eine Zustandsanalyse. Wir wollen als Grüne Jugend einer Aufrüstung im Cyberspace entgegentreten, mehr Überwachung verhindern und die Sicherheit der Netze durch ökonomische Anreize stärken.