kongressSPUNK: Demokratie der Medien

04.11.2006: Stell dir vor, du bist RedakteurIn. In der heißen Wahlkampfphase bekommst du eine Liste von PolitikerInnen zugespielt, die möglicherweise ihre Bonusmeilen für private Flüge verwendet haben.

Veröffentlichst du die Namen sofort, um damit LeserInnen zu ködern? Oder wartest du lieber zusätzliche Informationen ab und fragst erstmal bei den PolitikerInnen persönlich nach, um auf Nummer sicher zu gehen? Oder ist es vielleicht sogar deine journalistische Pflicht, so brisante Informationen gleich an die Öffentlichkeit zu tragen?

Mit solchen Gedankenexperimenten haben wir uns beim Workshop "Medien und Demokratie" dem umfangreichen Thema genähert. Die Fragen wurden von uns ausgiebig diskutiert und dann wurde jeweils darüber abgestimmt, wie man in diesem oder jenem Fall als Redaktion am besten vorgehen sollte. Auch wenn wir uns nur selten einig waren, ob ein bestimmtes Foto, eine zweifelhafte Information oder eine persönliche Meinung abgedruckt werden sollten, so gab es doch in einigen grundsätzlichen Punkten Übereinstimmung: Das eigentlich Entscheidende ist gute Bildung. Den Menschen müssen die richtigen Instrumente an die Hand gegeben werden, damit sie zu kritischem Medienkonsum fähig sind. Die Leute müssen sich in der Vielfalt der riesigen Medienlandschaft zu Recht finden und verschiedene Informationsquellen nutzen, dann spielt ein schlechter Artikel zwischen drin auch keine Rolle. Außerdem muss den RedakteurInen immer bewusst sein, dass hinter jeder Meldung, die sie erreichen, hinter jeder Information, die ihnen zugespielt wird, immer ein Interesse steckt. Das machte uns Ulrich Müller, der Geschäftsführer von "LobbyControl", nochmal ganz deutlich. Solche Hintergründe und Interessen müssen die MedienmacherInnen erkennen und kritisch beleuchten. Das passiert allerdings kaum, bestes Beispiel dafür ist die Initiative für neue soziale Marktwirtschaft, die INSM ,die von Wirtschaftsriesen finanziert wird und es immer wieder schafft, versteckt Arbeitgeberinteressen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Mit den Medien und der Politik ist das alles sehr knifflig, und das wurde uns wunderbar verdeutlicht durch diese interessante Diskussion mit Ulrich Müller und Christoph Schmitz, dem Pressesprecher der grünen Bundestagsfraktion, der auch aus Erfahrung als Bild-Redakteur sprach. hhöhöm. hüstel. Bild. naja.

Vera Buttmann, Hannover