Wider dem Kriminalisierungsversuch von ComputerspielerInnen

10.12.2006: Ein Beschluss des Bundesausschusses der GRÜNEN JUGEND im Dezember 2006.

Die GRÜNE JUGEND sieht mit Entsetzen die Entwicklung der letzten Wochen bezüglich des Verbotes so genannter "Killerspiele". Die nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberggymnasium angefachte Debatte über die Wirkung von (vor allem sog. Ego-Shootern) Computerspielen auf Jugendliche und Heranwachsende, die damals ergebnisoffen blieb, wurde nach dem Massaker an der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten wieder aufgenommen und mit erhöhter Intensität und Aggressivität fortgesetzt.

Nun planen die Landesinnenminister Bayerns und Niedersachsens ein generelles Verbot von "gewaltverherrlichenden" Computer- und Videospielen. In einem Interview setzte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann solche "Killerspiele" mit "Kinderpornografie" gleich und versucht die ComputerspielerInnen und die ganze Community zu kriminalisieren. Diesem Vorhaben stellt sich die GRÜNE JUGEND entgegen.

Nicht nur, weil es der falsche ordnungspolitische Ansatz ist, sondern vielmehr aus der Tatsache heraus, dass es keine wissenschaftliche Studie gibt, die belegt, dass KonsumentInnen der strittigen Spiele ein gesteigertes Gewaltpotential aufweisen. Es muss hinterfragt werden, welche Motivation einE JugendlichEr hat, einen Amoklauf zu begehen und ihr/sein Leben und das Anderer zu beenden. Vielmehr als "Killerspiele" oder Marylin Manson (Littleton) ist das gesellschaftliche und soziale Umfeld maßgeblich für die Sozialisation eines Menschens verantwortlich und fordert daher ein besonderes Augenmerk.

Statt Verbote zu beschließen, fordern wir die KultusministerInnen der Länder auf, ein obligatorisches Fach "Medienbildung" in der Sekundarstufe I einzuführen. Dieses Fach soll den SchülerInnen lehren, sich mit Medien kritisch auseinanderzusetzen und sich selbst nicht nur als KonsumentInnen zu sehen. Es soll sie lehren, Inhalte und Darstellungsformen zu hinterfragen und schließlich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien aller Art erziehen. Weiter muss das Schulsystem, wie es jetzt existiert, grundsätzlich in Frage gestellt werden. Zu viele Probleme von SchülerInnen haben strukturelle Fehler im System zur Ursache. Die aktuelle Debatte darf nicht in die falsche Richtung abdriften und sture Symptombekämpfung (von Symptomen, die keine sind) statt Ursachenforschung zur Folge haben.