Mobil ist, wer Mobil macht und es lebt
05.12.2002: Handy, Laptop, PDA, Fahrrad, Scooter, PKW, Motorrad, Internet, U-Bahn, Flugzeug, Schiff alles Möglichkeiten wie Menschen in dieser Zeit mobil sein können. Doch braucht man die allgemeine Mobilität, um auf dem Klo mit seinem Handy das E-Mail-Postfach abrufen zu können und nach Mailand fliegt, um bei Prada einkaufen zu gehen? Das untersucht Spunk-Autor Malte Spitz
Die extremen Formen der Mobilität werden nur von einer geringen Bevölkerungsschicht wahrgenommen, weil sie häufig auch finanziell sehr kostspielig sind. Doch in unser heutigen Gesellschaft ist jeder mobil, und nahezu jeder kann sich den Luxus mobil sein leisten. Geschichtlich betrachtet ist es anormal, dass jede Bevölkerungsschicht reisen kann. In den vorherigen Jahrhunderten war es eine Ehre von Berlin nach Köln zu reisen, und mit unglaublichen Mühen und Anstrengungen verbunden. Doch heute ist es normal geworden.
Dass es schon in der Jugend beginnt und extreme Ausmaße annimmt, ist für die meisten eher schockierend als eine moderne Entwicklung. Wenn 80% der Schüler einer Klasse ein Handy besitzen und am Mittag im Internet chatten, so leben sie Mitten im Trend und der Realität.
Das Mobilität ein Prozess ist, der immer nach neuen Grenzen sucht, und auch einige überquert, steht außer Frage. Rekorde werden gebrochen und das als unmöglich Gedachte tritt ein, sei es mit dem Heißluftballon um die Welt oder zum Urlaub in die Antarktis. Der Mensch stößt dabei an Grenzen, die als Hürde in eine neue Epoche gelten. Das Rad wurde erfunden, die Schiffe fuhren auf dem Mittelmeer, die Eisenbahn tuckerte umher und das Flugzeug macht jedes Ziel erreichbar.
Doch Mobilität bezeichnet nicht nur den Transport von Menschen oder Informationen. Die Mobilität an sich ist ein Faktor, der die Welt bewegt, die Mobilität der Reaktion auf Ereignisse und der Ereignisse selbst. Der Terror findet nicht mehr in entfernten Regionen statt, er ist „in unser Wohnzimmer gekommen“. Ähnlich ist es auch mit sozialen und ethnischen Konflikten. Die Bewegung von Menschenmassen verstärkt sich jedes Jahrzehnt. Die letzten zehn Jahre sind schätzungsweise 120 Millionen Menschen auf der Welt gewandert und haben langfristig ihren Lebensraum verlassen, sei es durch Flucht vor Kriegen oder Armut, oder auch die Suche nach einem besseren Leben in einem westlichen Land. Die philosophische Tiefe des Mobilitätsbegriffes ist dabei sehr umfassend, und greift in alle Gebiete unseres Lebens ein.
Dass die Mobilität mit der Globalisierung einhergeht, ist noch zusagen. Denn eine weltweite Wirtschaft ist nur durch Mobilität gesichert, deshalb muss der Zugriff für alle Menschen gleich aussehen, damit niemand benachteiligt ist. Aus diesem Grunde kehren wir auch wieder zu unserer Eingangsfrage zurück, ob die Menge und Möglichkeiten an Mobilität überhaupt sinnvoll sind und uns Nutzen bringen?
Eine Antwort gibt es nicht, und wenn wird diese niemanden beruhigen oder die Angst nehmen, dass er von der mobilen Gesellschaft überrannt wird. Deshalb sollte mensch sich in Ruhe zurückziehen und ohne Handy und PC darüber nachdenken, wie viel Mobilität für ihn gut ist, einigen fällt dies aber schon schwer.