Fakten, Fakten, Fakten...
13.11.2009: ... über den Medienkonsum in Deutschland
In Deutschland werden Medien konsumiert, und das nicht zu knapp. Und die Versorgungsdichte steigt für alle Medien (mit Ausnahme der klassischen Tageszeitung) weiter. Nahezu alle Haushalte verfügen über einen Fernseher, ein Radio und die meisten auch über einen Internetanschluss. Nach dem Arbeiten und Schlafen gehört der Konsum von Medien zu den wichtigsten Bestandteilen des Tages. Bei den unter 40-Jährigen, um die es im Weiteren in aller Regel gehen wird, liegt der tägliche Konsum von Medien bei etwa 8(!) Stunden pro Tag. Mit eingerechnet dabei ist aber auch das Radio-Hören, das häufig eher passiv gemacht wird. Sei es beim Arbeiten, Autofahren oder Kochen - das Radio ist einer der zuverlässigsten Begleiter. Im Durchschnitt hören wir etwa zwei Stunden Radio am Tag. Mehr Zeit bekommt nur noch das Fernsehen, immerhin rund 140 min am Tag. Über das Programm lässt sich sicher streiten, aber nach der aktuellen Studie des Institutes für Demoskopie Allenbach (IfD), bleibt das Fernsehen das Leitmedium und bisher auch noch die wichtigste Informationsquelle der Deutschen.
Dieselbe Studie belegt ebenso das stetige Wachstum des Internets. Bis auf einige ländliche Regionen (immerhin aber knapp 5 Mio. Menschen) ist in Deutschland Breitbandinternet - also mindestens DSL 1000 - verfügbar und dieses wird auch immer intensiver genutzt. Immerhin 22,1 Mio. Deutsche (also knapp 50% der 14- bis 60-Jährigen) nutzen das Internet täglich. Bei den unter 40-Jährigen ist es deutlich präsenter als Zeitungen und Zeitschriften und könnte schon bald das Fernsehen als wichtigste Informationsquelle ablösen. Im Durchschnitt verbringen wir rund 90 min des Tages online. Die wichtigsten deutschsprachigen Seiten sind dabei Google, Ebay und Wikipedia. Letztere hat mit etwa 14 Mio. Nutzer_innen pro Woche (NpW) eine Vormachtstellung auf dem Gebiet der online-Enzyklopädien. In einem ähnlichen Maß, wie die Zeitungen an Bedeutung verlieren, gewinnen die Nachrichten-Portale im Internet an Bedeutung. Wachstumsraten von etwa 40% sind keine Seltenheit und der am meisten frequentierte Dienst (Spiegel-Online) hat immerhin rund 3 Mio. NpW. Allerdings verändert sich nicht nur das Medium der Nachrichtenvermittlung, sondern auch das Interesse der Nutzer_innen. Es wird immer mehr Wert gelegt auf kurze, höchst aktuelle Informationen, bei denen die Überschrift häufig alles verrät. Die sogenannte on-demand-Nachfrage (also Nachrichten auf Verlangen) tritt immer mehr in den Vordergrund und verdrängt längere, weitergehende Berichterstattung. Noch mehr Zeit als auf Nachrichtenportalen verbringt der/die durchschnittliche Internetnutzer_in mit sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ oder Lokalisten. Diese haben zwar ähnlich viele Nutzer_innen in der Woche, aber die Bindung an diese Seiten ist deutlich größer, sodass sie häufig (mehrmals) täglich besucht werden. Auch die Zahl der Weblogs (kurz: Blogs) steigt deutlich. Inzwischen haben etwa 8,5% der Internetnutzer_innen ein eigenes online-Tagebuch. Schon im Jahre 2007 gab es etwa 180.000 deutschsprachige Blogs, die in den letzten zwei Monaten aktualisiert wurden. Wären die weniger häufig aktualisierten Blogs mitgezählt worden, läge der Wert noch deutlich höher. Anders als die Steigerungsrate der Internetnutzer_innen ist das Wachstum der Blogger_innen-Szene aber nahezu exponentiell. Im weltweiten Vergleich ist die Anzahl hingegen noch sehr gering. In den USA gibt es schätzungsweise 50 Mio. Blogs und auch in Frankreich liegt die Quote mit insgesamt 4,5 Mio. Blogs über der der Deutschen.
Aber nun zurück aus der digitalen Welt zu den „klassischen“ Medien. Denn auch die werden weiterhin nachgefragt. Im Alter einer möglichen Mitgliedschaft der GRÜNEN JUGEND wird immerhin noch 35 min am Tag in Büchern gelesen, und etwa alle drei Tage ein Film angeschaut. Allerdings sinkt seit der Verbreitung von Video und DVD die Anzahl der Kinobesuche deutlich. Auch die Möglichkeit, Filme in immer besserer Qualität zu Hause auf Großbildfernsehern mit Heimkino-Anlage zu sehen, verstärkt diesen Effekt. Ein Kino sehen wir nur noch etwa alle zwei Wochen von innen. Zu guter letzt bleiben die Zeitungen und Zeitschriften, die eine nennenswerte Rolle spielen. Zusammengenommen liest mensch eine gute halbe Stunde in ihnen. Dabei etwa zur Hälfte in Tages- oder Wochenzeitungen und zur anderen in Zeitschriften und Magazinen. Auch die Anzahl der Zeitungsabonnements nimmt langsam aber stetig ab.
Es lässt sich seit einigen Jahren ein Trend erkennen, der besonders in unserer Generation ausgeprägt ist. Klassische Medien verlieren im Vergleich zum Internet zwar an Bedeutung (vor wenigen Jahren war der Teletext gefragter als das Internet), insgesamt steigt der Konsum von Medien allerdings weiterhin an. Auch das Interesse und Verhalten der Konsument_innen verändert sich: Infotainment und kurze, knappe Nachrichten werden immer beliebter und der Internetanschluss ist immer weniger eine Frage der Bildung. War das Internet vor einigen Jahren eine Sache der besser gebildeten und einkommensreicheren Menschen, wird es heute immer mehr zum Massenmedium.
Felix Fischer