Alle Jahre wieder... eine Medienrevolution!

13.11.2009: Eine kurze Geschichte der Medien

Während Facebook und Twitter die beliebtesten Online-Programme werden und Materialdrucker offline technisch neue Entwicklungen ermöglichen, wird leicht vergessen: Nein, das ist keine Medienrevolution. Es handelt sich hier um klassische Weiterentwicklungen eines Schemas.

Wirkliche Medienrevolutionen gibt es vielleicht alle 500 Jahre. Fangen wir doch einmal ganz vorne an: Im prähistorischen Zeitalter (also bevor die Geschichtsforschung überhaupt aktiv werden konnte) verständigten sich vormenschliche Wesen über Mimiken, Gestiken und Urlaute. Damit war es aber nur möglich, elementare Bedürfnisse, wie Essen, Trinken und Sex, auszudrücken. Dahingehend kann als erste Medienrevolution überhaupt die Einführung einer bestimmten, für alle Menschen einer Gruppe verständlichen Sprache begriffen werden. Auf einmal war es möglich, abstraktere Gedanken, wie beispielsweise Gefühle, auszudrücken. Die Bewahrung dieser Gedanken für spätere Generationen war allerdings äußerst schwierig und konnte nur über Erinnerungstechniken und ständige Wiederholung des Gesagten realisiert werden, was auf die Dauer müßig werden kann. Also wurde damit begonnen, Schriftzeichen analog der Sprache zu erfinden, die mit bestimmten Bedeutungen belegt wurden. Erst im Sand wild hingekritzelt, dann auch in Stein eingemeißelt, später auf Papyrus und Papier. Es gab plötzlich die unglaubliche Möglichkeit, Nachrichten auch für spätere Generationen zu hinterlassen. Und das ohne ihnen je über den Weg gelaufen sein zu müssen. Es war nur müßig und teuer, allen Lesen und Schreiben zu lehren. Da überlegte sich Gutenberg (nicht der Minister) Mitte des 15. Jahrhunderts eine unglaubliche Technik: Den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Schnell viele Texte unter die Leute bringen, war nun die neue Devise. Erst mit dieser Technologie konnten Bücher vervielfältigt werden, die zuvor maßgeblich von Mönchen geschrieben wurden und damit erst durch die katholische Zensur mussten. Politische Flugblätter und Zeitungen wurden so auf den Weg gebracht. Mit Entwicklung der Schiefertafel ungefähr zwei Jahrhunderte später konnten nun auch Massen alphabetisiert werden, also lesen und schreiben lernen, und somit teilnehmen an dieser Medienrevolution. Letztendlich darf die Digitalisierung nicht gänzlich vergessen werden. Die Abstraktion vieler Zeichen auf Einsen und Nullen und damit ihre Übertragung in die Virtualität tat ihr übriges zur Verbreitung und Aneignung von Wissen wie Nachrichten, Informationen und wissenschaftlichen Theorien. Vor allem das Internet - also die Möglichkeiten, die Daten auch untereinander auszutauschen - leistete hier einen großen Beitrag zur Demokratisierung des Wissens. Wenn ihr das nächste Mal also von der Revolutionierung der Medienlandschaft durch irgendein kleines Zubehör für das große Ganze hört - wie beispielsweise oben erwähntes Twitter - dann hinterfragt noch einmal die Bedeutung dieser Aussage und erinnert euch an den langen kulturtechnischen Weg voller größerer Umwältzungen, der erstmal bis zu diesem Punkt gegangen werden musste.

Katharina Spiel

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