Medien: die 4. Macht?
13.11.2009: Einige Reflexionen über Medien, ihren Einfluß und Sinn
2500 Zeichen über Medien als 4. Macht? Dieser Artikel versucht das Unmögliche und macht, was wohl alle Medien machen: verkürzen. Und wer liest schon gerne seitenlange Aufsätze zu demokratietheoretischen Texten? Die Konsument_innen sind doch Schuld, dass die Medien oberflächlich berichten! Deswegen ist BILD (Springer-Verlag) so beliebt. Viele Menschen wollen den Eindruck erhalten, täglich Wahrheitsenthüllungen vor sich zu haben - quasi Watergate to go? Dass die „Fakten“ hinter den Artikeln meist unreflektiert dastehen, fällt kaum noch auf.
Die Pressefreiheit ist ein Grundrecht und Hort des Pluralismus. Nahezu jedeR kann seine Meinung irgendwo wieder finden, vor allem im Web-2.0-Zeitalter. Doch die erhoffte Demokratisierung ist nicht allzu sehr voran gekommen: relativ wenig Menschen haben Zugang zum Web und Blogger_innen reproduzieren zumeist. Neue Perspektiven sind wertvoll für die Debatte, doch es entstehen auch Schneeballgerüchte.
Neben der Unterhaltung ist die Hauptaufgabe der Medien eine Kontrolle der Mächtigen. Dadurch werden sie selbst mächtig und haben im 19. Jahrhundert die irritierende Bezeichnung der „4. Gewalt“ erhalten. Doch statt sich neben Legislative, Exekutive und Judikative einzureihen, beäugt sie diese – im Idealfall von Außen – kritisch, deckt z.B. Spesenskandale auf, aber zerstört auch Ruf und Leben (auch hier ist Springer spitze).
Wenn die klassischen Medien nicht bereit sind, dies zu tun (weil ihr Fokus zu sehr auf Unterhaltung liegt), oder nicht in der Lage sind (z.B. in totalitären Regimes), können Dienste wie Facebook oder Twitter eine nützliche Zusatzfunktion erfüllen. Im Iran spielten sie eine wichtige Rolle bei der Organisation der Proteste nach der Wahl am 12. Juni.
Doch eine Strangulierung des Pluralismus in den klassischen Medien durch Regierungen oder Verlagsfusionen ist vielleicht noch leicht auszumachen. Schwieriger wird eine kritische Reflexion der Intention hinter allen Medien (auch Blogs). Die SPD besitzt nicht grundlos Anteile an 14 Tageszeitungen und in Berlin gibt es jetzt einen Radiosender der Grünen. Warum?
Thomas Jefferson hat einmal gesagt: „Information ist die Währung der Demokratie“. Deswegen ist es wichtig, dass alle Informationen – mit Einschränkungen (siehe weitere Artikel in diesem SPUNK) – verfügbar sind. Doch durch das verkürzte Anbieten von Informationen durch Interessengruppen, wie Parteien, verkommt Demokratie zur Abstimmung über die am wenigsten schlimmste Parole. Die Vielfalt der Medien muss genutzt werden, um jeder Person ein möglichst differenziertes und reflektiertes Meinungsspektrum zu eröffnen. Nur dann hat Demokratie Sinn.
Georg P. Kössler & Julia Behrens