Il Cavaliere

13.11.2009: Die Medienmacht Berlusconis in Italien

Als Nicht-Italiener_in ist Italien in der Vorstellung vielleicht ein Land, welches mit Sonne und ''dolce vita'' assoziiert wird. Die italienische Linke war lange eine der stärksten der Nachkriegszeit im westlichen Europa. Wie kann es nun sein, dass eine Person wie Silvio Berlusconi in Italien politisch so erfolgreich ist? Wie er und damit auch ein wenig dieses Land funktioniert, erklärt vielleicht folgende Geschichte vom Anfang der 90er Jahre.

Damals besaß Berlusconi u.a. eine Zeitung (''Il Giornale''), die allerdings in ihrer inhaltlichen wie politischen Ausgestaltung frei agieren durfte. Zu den Redakteur_innen zählte mitunter auch Marco Travaglio, heute einer der schärfsten Gegner von Berlusconi. Der Chefredakteur war Indro Montanelli, eher rechtskonservativ, aber damit auch streng rechtsstaatlich und antifaschistisch eingestellt. Er sprach sich grundsätzlich gegen die Verquickung von Medien, Wirtschaft und Politik aus und war somit auch heftigst gegen Berlusconis Kandidatur zum Ministerpräsidenten. Berlusconi selber allerdings "musste leider in die Politik, weil (er) zu viele Prozesse am Stecken hatte" (frei nach seiner eigenen Aussage). Und weil Berlusconi das so wichtig war, ging es natürlich nicht, dass seine eigene Zeitung solche Artikel veröffentlicht. Also begann er über andere Kanäle eine Diffamierungskampagne gegen Montanelli. Dennoch blieb Montanelli im Verlag. Doch als Berlusconi bessere Arbeitsbedingungen versprach, wenn die Zeitung positiv über seine Kandidatur berichten würde, verließ er die Zeitung - und mit ihm 80 % der Redakteur_innen. Berlusconi setzte also mit Erpressungstechniken die Berichterstattung durch, die er wollte. Damit berief er sich direkt auf die - manche meinen tief in der italienischen Bevölkerung verwurzelte Mentalität - ''arte d'arrangiarsi'' (italienisch für "eine Hand wäscht die andere").

Als Ministerpräsident hat Berlusconi indirekten Einfluss auf die öffentlich-rechtlichen Sender. Diese gestaltet er aus rein wirtschaftlichen Gründen möglichst langweilig, damit seine Sender bessere Einschaltquoten aufweisen. Eine Nachrichtensendung auf Rai Uno (staatlicher Sender) gestaltet sich bspw. so: 2-5 min Politik; 15 min Kriminalität und Boulevard; 10 min Sport. Wie gesagt, das ist ein öffentlicher Sender. Berlusconis sind schlimmer. <br> Dennoch darf Italien als europäisches Land nicht einfach aufgegeben werden. So gibt es (noch) Alternativen. Beppe Grillo - eigentlich ein italienischer Komiker - äußerst sich politisch auf seinem Blog (auch in Englisch) und versucht in seinen Bühnenprogrammen für Aufklärung zu sorgen. Kleine Schritte, aber ein Anfang. (Mehr unter: www.beppegrillo.it)

Bjarne Melani beobachtet als Europäer italienischer Abstammung den Verfall seines Geburtslandes.