Aus zwei mach eins
13.11.2009: IT und Ökologie
Eigentlich läuft mein Laptop immer. Fast die ganze Zeit. Wie soll auch sonst das politische Engagement organisiert werden? In meinem Postfach kommen täglich zwischen 100 und 200 E-Mails an, „Liste-Öko“, „Liste-Wahlkampf“, „Liste-Mensch-und-Tier“, „Liste-FF-Orgas“ und so weiter. Dazu bekomme ich auch noch private Mails. Ansonsten ist mein Handy natürlich immer mit dabei, meine Zeitung lese ich online und weil ich viel unterwegs bin, werde ich mir wohl bald einen UMTS-Stick zulegen, damit ich auch im Zug immer im Netz surfen kann.
Die Grüne Jugend ist, was Internet-Affinität angeht, ganz schön fortgeschritten. Ständig werden Artikel über Atomkraftwerke, Aufrufe zu Demonstrationen und natürlich Diskussionen über Fleischkonsum, Pornos oder den Klimawandel hin- und hergeschickt. Für uns ist das die perfekte Kommunikationsmöglichkeit, denn wir leben schließlich im ganze In- und Ausland verteilt. So informieren wir uns und andere und organisieren die Verbandsarbeit.
Computer, MP3-Player, Handys und andere elektronische Gerätschaften sind heute allerdings für ca. 10,5 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Mittlerweile entstehen zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen allein bei Herstellung, Betrieb und Verschrottung von IT-Geräten. Dieser Wert ist in etwa vergleichbar mit der CO2-Bilanz des weltweiten Flugverkehrs.<br> Die Internationale Energie Agentur fand in einer Studie heraus, dass 2030 allein für Informations- und Unterhaltungselektronik Kraftwerke mit einer Leistung von 280 Gigawatt zugebaut werden müssen, wenn wir Menschen weiterhin in diesem Maße elektronische Geräte nutzen.<br> Grün ist das alles gar nicht. Dafür paradox: Ich kämpfe gegen den Klimawandel und trage währenddessen durch meinen Medien-Konsum massiv dazu bei. <br> Doch seit das Umweltbewusstsein der Menschen sich in den letzten Jahren geändert hat, gibt es immer mehr Firmen, die Technologie entwickeln, welche auf Stromverbrauchs-armer Basis arbeitet. In diesem Bereich gibt es immerhin viele Möglichkeiten: Allein die Rechenzentren könnten den Energieverbrauch um 50 Prozent reduzieren, würden sie intelligenter mit der Abwärme umgehen. <br> Ganze Städte können ihren Energieverbrauch im IT-Bereich maßgeblich reduzieren: Bad-Soden wurde von der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet, weil sie ihre Verwaltung umstellte: Ihre Daten und Programme liegen nun auf wenigen zentralen Rechnern, auf die alle Mitarbeiter_innen Zugriff haben. Das brachte eine Energieverbrauchssenkung von 60 Prozent. Greenpeace hat zum Thema Grüne Informationstechnologie eine Studie durchgeführt, und informiert so die Verbraucher_innen darüber, welche Computerfirmen sich tatsächlich für den Klimaschutz einsetzen: www.greenpeace.org/electronics-survey Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass sie wenig Strom verbrauchen, sondern auch, dass die Geräte langlebig sind und nicht nach kurzer Zeit ihren Geist aufgeben. Außerdem wird danach gefragt, welche Hersteller ihre Kund_innen gezielt über Stromsparmaßnahmen informieren. <br> Laut Schätzungen werden Computer im Durchschnitt nämlich nur etwa 30 Prozent der Laufzeit genutzt. 50 Prozent der eingesetzten Energie geht als Wärme verloren, 20 Prozent verpuffen wirkungslos im Leerlauf. Weiterer Stromverbrauch ergibt sich durch das notwendige Kühlen der Geräte. Gerade in dieser Kategorie schneiden die wenigsten Hersteller positiv ab. Es ist also noch eine Menge zu tun im Bereich grüner IT. Fest steht, dass politische, soziale und kulturelle Teilhabe an der Gesellschaft heute nur noch gewährleistet werden kann, wenn wir Menschen die Möglichkeit haben, elektronische Geräte zu nutzen.<br> Dass der Klimawandel aber nur noch einzuschränken, nicht jedoch verhindert werden kann, ist ebenfalls eine bekannte Tatsache. Diese beiden Dinge miteinander zu kombinieren, das ist die große Aufgabe der Politik, der Wirtschaft aber auch der Konsument_innen in unserer Zeit. Die Politik muss Anreize dafür bieten, dass Unternehmen ihre Software klimafreundlich umgestalten. Und die Wirtschaft muss sich an die gegebenen Umstände der Umwelt, nämlich an das notwendigerweise zu schonende Klima, anpassen.<br> Wir als Konsument_innen können vielleicht nicht mehr ausschließlich offline kommunizieren, aber online können wir versuchen, es möglichst umweltschonend zu tun. Wir können uns informieren, welche Computer, Handys und andere Geräte wir kaufen. Wir können Suchmaschinen benutzen, die Geld in Umweltschutz investieren. So unterscheidet sich zum Beispiel die Suchmaschine „Forestle“, getragen durch Werbeeinnahmen, die sie nur zu 10 Prozent in Verwaltungsaufgaben und zu 90 Prozent in den Klimaschutz investiert, in ihren Suchergebnissen nicht von der Qualität von Google oder Yahoo. Außerdem können wir zum Betrieb unserer elektronischen Geräte Ökostrom benutzen und sie, wenn sie nicht mehr funktionieren, soweit das möglich ist, ökologisch entsorgen. Und wenn wir den Computer nicht brauchen, können wir ihn auch einfach mal abschalten.
Gesine Agena