Eine ungleiche Welt

13.11.2009: die Digitale Spaltung global betrachtet

Der Begriff der "Digitalen Spaltung" entstand Mitte der 1990er Jahre und beschreibt den ungleichen Zugang verschiedener Bevölkerungsgruppen zu Informations- und Kommunikations-Technologien im nationalen, regionalen und internationalen Vergleich. Die Formulierung steht für die Annahme, dass trotz der rasanten technologischen Fortschritte einer großen Anzahl von Menschen der Zugang zu diesen Technologien und den damit verbundenen Möglichkeiten verwehrt bleibt.

Allerdings ist die Idee einer digitalen Spaltung (bzw. digitalen Kluft) nicht unumstritten. Denn es geht dabei häufig nur um die technischen Möglichkeiten, weniger um die Fähigkeiten diese auch nutzen zu können. Aus diesem Grund wurde die Bedeutung ausgeweitet und mensch meint damit nicht nur eine technische, sondern auch eine inhaltliche Kluft.

Im weiteren beziehe ich mich auf die weltweite Spaltung, es gibt aber nicht nur globale Unterschiede. Auch in Deutschland haben etwa 5 Mio. Menschen keine Möglichkeit Breitbandinternet zu verwenden und jenseits der technischen Möglichkeiten gibt es innerhalb der Gesellschaft große Unterschiede: z.B. eine Spaltung entlang von Bildungsstand, Geschlecht und Alter. Dazu aber mehr im Leitartikel (S.1 im Heft). Die globale Benachteiligung der Entwicklungsländer wird beim Zugang zu den Ressourcen der Informationsgesellschaft besonders spürbar. Die Industrieländer sind als Ursprung des Internets besser an selbiges angebunden.

In Afrika sind nur 5,6% der Menschen mit dem Internet verbunden. In Amerika immerhin 75%, und in Europa knapp 50%. In Japan und Korea gibt es die meisten Nutzer, nebenbei auch die mit der schnellsten Anbindung. Aber die Wachstumsraten sind in den Entwicklungsländern besonders groß, dabei aber auch innerhalb z.B. Afrikas sehr uneinheitlich: nördlich der Sahara sowie in Südafrika sind sie ganz besonders hoch, in den Sub-Sahara Staaten deutlich geringer.

Auch bei den Telefonanschlüssen sieht es ähnlich aus: So steht in Sub-Sahara Afrika nur rund fünf Prozent der Bevölkerung ein Festnetz- oder Mobiltelefonanschluss zur Verfügung. Ähnlich niedrige Zugangszahlen gibt es ansonsten nur noch im Pazifik und in Südasien. In diesen Regionen ist das gute alte Radio häufig das am weitesten verbreitete Medium.

Es existieren allerdings viele Ideen und Konzepte, welche diese digitale Kluft verringern wollen. Beispiele dafür sind: ''Linux4afrika'' und damit auch das deutlich bekanntere Projekt "One Laptop per Child (OLPC)". Dafür wurde von amerikanischen Professoren ein Laptop entwickelt, der speziell an die Bedingungen in den Entwicklungsländern angepasst wurde, leicht zu bedienen und sehr günstig in der Herstellung ist. Mit ihm sollen ganze Schulklassen Anschluss zum Internet (und damit auch zu mehr Bildung) bekommen und sich vor allem auch untereinander besser vernetzen können. Allerdings hat das bisher nicht die gewünschte Wirkung gezeigt und wiederum eher in den Industrienationen zu einem Boom der kleinen, transportablen und vor allem günstigen Netbooks geführt.

Eine Vision zur globalen Entwicklung haben sich Al Gore und andere überlegt. Die "Global Marshall Plan Initiative" sieht eine ökosoziale und nachhaltige Entwicklung der Erde und damit auch der bisher benachteiligten Gegenden der Welt vor. Mit dieser Idee soll die bisher sehr einseitig verlaufene Globalisierung durch eine nachhaltige Variante ersetzt werden, welche auch einen massiven Ausbau der Kommunikationsmittel vorsieht. Doch auch diese Initiative stellt das Wachstumsmodell nicht infrage, es geht um das Produzieren und mehr darum westliches Leben zu imitieren bzw. "mitzumachen" - nie darum etwas selber zu machen oder die eigenen Wege zu finden.

Felix Fischer

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