Digitale autocheiria
13.11.2009: ein Selbstversuch, der Grenzen aufzeigt
Unschuldig und unbedeutend wie ich bin, wollte ich irgendwann mal wissen, was Prof. Wolfram A. Goggel [Anm. der Red.: Name wurde angepasst] so alles über mich preiszugeben weiß. Das Ergebnis hat mich umgehauen, beinahe extrem schockiert. Was da seinen Weg ans Bildschirmlicht gefunden hat ... ich mag gar nicht weiter drüber nachdenken. Kaum engagierst du dich mal in einer Art kleinen Sekte und hast einen Twitter-Account, da erscheinst du nach nur 0,32 Sekunden in den Top 10 der Treffer. Und das bei einem Allerweltsnamen. Ich hätt' mich auch gleich ausziehen können! Auf (Nimmer-)Wiedersehen Privatsphäre, hallo liebe ewig nicht vergessende Server.
Aber was, wenn mir das gar nicht passt, dass alle Welt mich finden kann? Genau aus diesem Grund hab' ich Kopf und Kragen riskiert und einen Selbstversuch begonnen. Eines vorweg: Mein Anliegen, alle Spuren verschwinden zu lassen und mein digitales Ich loszuwerden, sind gescheitert. Damit wäre nun auch erklärt, was die Griechen mit "autocheiria" meinen. Selbstmord und nichts anderes. Klingt auf griechisch nur besser.
Nun zu den Details: Du bekommst deinen digitalen Fußabdruck nicht weg! Ganz egal ob bei myspace, facebook oder wo auch immer - willst du einen Account löschen, grenzt das an ein Ding der Unmöglichkeit. Nach einigen Tagen war mein Profil zwar nicht mehr betretbar, aber bei einem bin ich mir sicher: Server vergessen nicht. Und wer weiß, was die mit meinen Daten so gemacht haben. Jedenfalls hab' ich mir vorgenommen, daraus zu lernen und nie wieder meine richtige Identität preiszugeben. Dazu kann ich folgende Schritte nur wärmstens empfehlen: Das Verleugnen des eigenen Namens, das Verschleiern von Geburtsdatum, Angaben zu Wohnort, Hobbies, Telefon (moment, was ist das eigentlich?) und noch viel mehr (für genauere Infos wisst ihr, wie ihr mich erreicht). Oder anders: Wenn die Selbsttötung schon nicht möglich ist, dann doch wenigstens die digitale Automutilation (und wieder einmal hatten die alten Römer ein schöneres Wort als wir). Was im echten Leben für Wehrpflichtige nach §109 StGB strafbar wäre und den schönen Namen "Selbstverstümmelung" trägt, kannst Du im Internet gut ausnutzen, um ein wenig anonymer zu bleiben. Genau wie ich.
Übrigens: Dass es in Erfurt eine Samenhandlung, NEIN, nicht die Samen, an die ihr wieder gedacht habt, sondern Blumensamen, gibt, habe ich dabei auch gleich noch gelernt. So ein Selbstversuch kann aufschlussreich sein.
Felix, äh Otis, äh Hans-Werner, ...