"Ich habe raubkopiert!"
21.02.2005: In der Fairsharing-Erklärung bekennen sich 66 Personen, Musik oder Filme getauscht zu haben und sagen: Privates Kopieren ist kein Verbrechen! Mit dabei sind auch Mitglieder des Bundesvorstandes der GRÜNEN JUGEND.
"Wie Millionen andere sind auch wir potentiell straffällig geworden, weil wir irgendwann einmal zu privaten Zwecken Musik- und Filmdateien zum Beispiel in P2P-Netzwerken getauscht haben", heißt es zu Beginn der Fairsharing-Erklärung. Dieses Bekenntnis legen 66 ErstunterzeichnerInnen ab, darunter Musiker, Autoren, Professoren und Aktive von Verbänden wie Attac, Chaos Computer Club, Netzwerk Neue Medien, Free Software Foundation oder FoeBueD. Inzwischen unterstützen über 3.000 InternetnutzerInnen die Aktion - auch Du kannst Dich jetzt eintragen!
Aus dem Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND gehören gleich fünf Personen zu den ErstunterzeichnerInnen: Sprecher Stephan Schilling, Schatzmeisterin Julia Seeliger, der Politische Geschäftsführer Malte Spitz und die BeisitzerInnen Rebecca Rickert und Sebastian Brux. Hintergrund der Aktion ist: Die Filmindustrie geht mit der überzogenen Kampagne Hart aber gerecht gegen Kopien aller Art vor. Sie erweckt dabei den Eindruck, auch legale Privatkopien seien illegal und erfindet in ihren Kampagnen den völlig neuen Straftatbestand des "Raubkopierens". Die Musikindustrie verklagt Nutzer, die über Filesharing-Programmen wie eMule urheberrechtlich geschützte Musik anbieten.
In der Fairsharing-Erklärung heißt es weiter: "Gegen diese Kriminalisierung setzen wir uns zur Wehr: Das Kopieren und Tauschen von urheberrechtlich geschützten Musik- und Filmwerken zu privaten Zwecken soll künftig auch in der digitalen Welt legal sein." Gleichzeitig erkennen die Unterzeichner auch den Anspruch von Musikern und Schauspielern an, für ihre Werke bezahlt zu werden. "Dafür dürfen aber Bürgerrechte nicht durch Maßnahmen wie zum Beispiel Digitale Rechte Minimierung (DRM) eingeschränkt werden. Wir fordern Kompensation ohne Kontrolle."
Die Kampagne wirft daher die Idee einer Kulturflatrate in den Raum, die von der GRÜNEN JUGEND schon lange gefordert wird. Nutzer zahlen dabei zum Beispiel abhängig von ihrer Internet-Bandbreite eine Pauschalabgabe, in der das private Kopieren von Film- und Musikdateien enthalten ist. Die Einnahmen werden dann an die Urheber ausgezahlt. Das Modell ist somit in etwa vergleichbar mit dem schon umgesetzten GEMA-Konzept.
Bereits im April 2001 hatte der Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND beschlossen: "Das Urheberrecht bedarf dringend einer Anpassung an die Möglichkeiten des digitalen Kopierens in der vernetzten Welt. Zwischen den berechtigten Ansprüchen der UrheberInnen und dem Ziel, das Netz zu einer globalen, frei verfügbaren Wissensdatenbank zu machen, muss ein Interessenausgleich hergestellt werden. Den Weg der großen Medienkonzerne, ihre Inhalte gegen Gebühren über das Netz zu vertreiben und zu verkaufen, lehnen wir ab."
Siehe auch
Kampagne Copy 4 freedom der GRÜNEN JUGEND
Beschluss Vernetzt leben - NETZLEBEN vom April 2001
Beschluss Für ein Recht auf Privatkopie! des Bundesausschusses vom November 2002
Artikel über diese Fairsharing-Aktion von Telepolis, Spiegel Online, Heise, Golem.