Mehr Platz für Graffiti!

12.04.2005: Turbulente Tage nach der Graffiti-Forderung der GRÜNEN JUGEND: Erst berichtet die Bild-Zeitung groß (und verfälscht) darüber, bezeichnet unseren Sprecher Stephan Schilling als "grünes Milchgesicht" und manipuliert ein Foto von ihm. Jetzt stellt die GRÜNE JUGEND klar: Sprayer sollen mehr öffentliche Graffitiflächen bekommen, aber Sachbeschädigungen an Häusern weiterhin selbst zahlen.

Ende letzter Woche gab die GRÜNE JUGEND eine Pressemitteilung zu Graffitis heraus. Hier Auszüge daraus: "Die GRÜNE JUGEND steht ein für die Akzeptanz und Toleranz von Graffiti als Kunst. Die Forderung nach einer gesetzlichen Verschärfung des sogenannten Anti-Graffiti-Gesetzes lehnt die GRÜNE JUGEND klar ab. Wer will, dass möglichst wenig "mutwillige Sachbeschädigung" in Form von sogenannten gesprayten "Tags" verübt wird, muss dieser Kultur auch genug öffentliche Entfaltungsmöglichkeiten geben. Freiflächen dürfen nicht nach kurzer Zeit einfach wieder abgebaut werden."

Die BILD-Zeitung schrieb am Samstag: "Stephan Schilling (21), Bundessprecher der Jugendorganisation der Grünen fordert, daß Hausbesitzer und Steuerzahler weiter die Kosten für die Beseitigung von Graffiti-Schmierereien selbst tragen müssen! Begründung des grünen Nachwuchspolitikers (studiert an der FU Berlin Volkswirtschaft): "Ich finde, daß Graffiti ein Ausdruck von Jugendkunst ist und nicht als Straftat geahndet werden sollte!"

Diese Berichterstattung möchten wir gerne korrigieren. Richtig ist: HausbesitzerInnen haben ein Recht darauf, selbst über die Gestaltung ihres Eigentums zu entscheiden. Den mutwilligen Eingriff in dieses Recht halten wir für falsch. Die SprayerInnen müssen den entstandenen Schaden beseitigen. So ist es jetzt bereits gesetzlich geregelt und so soll es bleiben.

Foto manipuliert

Die Bild-Zeitung hat Stephan Schilling aber nicht nur falsch wiedergegeben, sondern auch noch ein Foto von ihm manipuliert. Im Original entstand das Foto mit Stephan vor einem farbenfrohen Graffiti an der Wand eines Jugendfreizeitklubs. Für die gedruckte Ausgabe vom Samstag manipulierte die Bild-Zeitung das Foto und tauschte den Hintergrund aus.

Außerdem wurden in dem Bild-Artikel eine Reihe von angeblichen Reaktionen gebracht, darunter auch ein Zitat von Christoph Stölzl, CDU-Vizepräsident des Abgeordnetenhauses von Berlin: "Hier zeigt sich die häßliche Fratze der Freude am Rechtsbruch!" Das hat Stölzl aber keineswegs als Reaktion auf Stephan Schilling gesagt, sondern bereits vorher auf dem Internationalen Anti-Graffiti-Kongress. Dokumentiert hat diese Fehler der Bild-Zeitung auch das Bildblog in gleich zwei Artikeln.

Öffentlichen Raum mitgestalten!

Anlässlich dieses Wirbels stellt die GRÜNE JUGEND nun nochmal ihre Position klar. Sprecher Stephan Schilling: "Wer wie Otto Schily SprayerInnen mit Hubschraubern verfolgen will oder als SchwerverbrecherInnen darstellt, reagiert hysterisch und völlig unverhältnismäßig. Mir drängt sich dabei die Frage auf, ob Schily und der BGS wirklich nichts wichtigeres zu tun haben."

Dem Problem illegaler Graffitis könne man nicht mit mehr Kriminalisierung und Gesetzesverschärfungen begegnen. "Gesetzesverschärfungen bringen nicht weniger illegale Graffitis, sondern mehr kriminalisierte Jugendliche", so Stephan Schilling. Statt dessen müssen wir die Lebensrealität junger Menschen zur Kenntnis nehmen. Jugendlichen steht - gerade in Städten - kaum Raum zur Verfügung, in dem sie ihre Kreativität und Überzeugungen ausleben können. Deshalb fordert die GRÜNE JUGEND, dass mehr öffentlicher Raum für Graffitis zur Verfügung gestellt wird. Jugendliche müssen das Recht und die Möglichkeit bekommen, den öffentlichen Raum mitzugestalten!