Game Over für freies Denken

17.11.2005: Die Grüne Jugend Bayern lehnt das geplante Verbot von Ego-Shootern ab. Computerspiele wie "Counterstrike" seien nicht die Quelle für Gewalttätigkeiten von Jugendlichen, sagt Matthias Fleischer, Sprecher des Landesverbandes.

Szene aus einem Computerspiel

Als besorgniserregend betrachtet die Grüne Jugend Bayern die Forderung der schwarz-roten Koalition gewaltverherrlichende Kulturgüter und damit auch Ego-Shooter, welche im Koalitionsvertrag profan als "Killerspiele" bezeichnet werden, zu verbieten. Begründet wird dieser Schritt damit, dass Computerspiele wie Battlefield, Counterstrike oder F.E.A.R. sich ausschließlich negativ auf die soziale Entwicklung Jugendlicher auswirken und deren Affinität zu Gewalt im realen Leben steigern. "Erst waren es Comics, dann kam Rock Musik und jetzt sind es mal wieder die bösen Computerspiele, die unsere Jugendlichen angeblich verderben und zu gefühllosen Gewaltmaschinen machen. Nach mehreren Jahrzehnten kontroversem Dialog akzeptieren die konservativen Kräfte in Deutschland immer noch nicht, dass die Problematik der Jugendgewalttätigkeit ihre Wurzeln nicht im freien medialen Konsum hat, sondern im sozialen Umfeld der Kinder und Jugendlichen, sowie im Umgang mit Gewalt im Elternhaus" kommentiert Matthias Fleischer, Sprecher der Grünen Jugend Bayern.

Es ist nicht zu bestreiten, dass bei Jugendlichen mit einem ausreichend psychisch labilen Potential der Konsum von Ego-Shootern durch das simple, wie auch beliebte Grundprinzip von (Tötungs)Handlung und Belohnung zum Herabsenken der Hemmschwelle der Aggression im sozialen Umfeld führt. Es sind aber nicht die sog. "Killerspiele" allein, welche manche Jugendliche zu Gewalthandlungen treiben. Wenn die Politik als finalen Schlag gegen Jugendgewalt am besten gleich den gesamten Markt der Ego-Shooter verbieten will, ist das ein Zeichen von Ignoranz gegenüber der Tatsache, dass die staatlichen Schutz- und Betreuungsfunktionen für Jugendliche, welche in einem gewalttätigen sozialen Umfeld aufwachsen in Deutschland bei weitem nicht ausreichen. Die Grüne Jugend Bayern fordert die Bundespolitik auf, ihre Ressourcen nicht dafür zu verschwenden, indem sie auf generalisierte Zensur zurückgreift. Stattdessen ist im schulischen Rahmen eine Stärkung der Medienkompetenz notwendig. Nur dadurch werden Jugendliche an einen freien, kritischen und selbstreflektierenden Medienkonsum herangeführt. Auch die finanzielle Unterstützung von Jugendbetreuungs- sowie Streetworkerprogrammen, die vor allem die sozialen Kompetenzen fördern, dürfen nicht weiter gekürzt, sondern müssen stärker als bisher gefördert werden.