Planet im Wasserstress

01.03.2006: Wasser löscht Durst, erfrischt an heißen Sommertagen, macht Böden fruchtbar und kann noch jede Menge mehr. Kurz gesagt: Wasser ist wunderbar! Wenn man es hat...

Wasser gehört uns allen! Oder hab ich da was verpasst...? Millionen Menschen in über 30 Ländern des blauen Planeten haben nicht das Glück, einen so selbstverständlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu haben wie wir in Deutschland. Viele von ihnen haben nicht einmal die Hälfte des Wassers zur Verfügung, die eigentlich notwendig wäre. Hinzu kommt die oftmals schlechte Qualität des Wassers, die zu Erkrankungen und Umweltschäden führt. Fast zwei Milliarden Menschen leben heute ohne Zugang zu ausreichend sauberem Trinkwasser! Bei uns stellt sich kaum jemand die Frage, wem das Wasser eigentlich gehört. Wichtiger wird diese Frage vor allem dann, wenn man sich kein Wasser mehr leisten kann. Denn Wasser ist nicht, wie man glauben und wünschen sollte, ein Allgemeingut. Die Privatisierungswelle hat auch hier zugeschlagen.

Seit 2003 fällt auch die Trinkwasserversorgung unter das internationale GATS-Abkommen. Das bedeutet, dass jetzt auch im Wasserbereich die Märkte praktisch grenzenlos sind. Eine solche Liberalisierung bedeutet in den meisten Fällen: Privatisierung. Privatisiert wird mit der Begründung, dass eine Verbesserung der Wasserversorgung zu teuer sei, um sie allein mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Deswegen soll dafür privates Kapital aufgebracht werden. Außerdem sollen durch den Verkauf von öffentlichen Betrieben Schulden beglichen werden. Aber wird durch die großen Wasserkonzerne jetzt alles besser für die VerbraucherInnen? Da die privaten Firmen ja keine Wohltätigkeitsvereine sind, ist das eher unwahrscheinlich. Sie sind vor allem daran interessiert, dass sich das Geschäft mit dem Wasser für sie lohnt. Und das tut es auch, denn in Zeiten, in denen Trinkwasser immer rarer wird, ist es umso wetvoller. Vielerorts haben sich die privaten Anbieter schnell ein Monopol aufgebaut. Dabei gilt für die VerbraucherInnen: wer das Wasser nicht bezahlen kann, dem werden die Leitungen gekappt. Zu dramatischen Zuständen hat das vor allem in einigen Ländern Afrikas geführt. Hier können sich die meisten kein sauberes Trinkswasser leisten und nehmen schließlich verschmutztes Flusswasser, was teilweise zu regelrechten Krankheitsepidemien geführt hat. Aber auch in England hatte ein Wasserkonzern keine Skrupel Leuten den Hahn abzudrehen, die die letzte Rechnung nicht bezahlen konnten.

Es zeigt sich auch, dass die privaten Wasserversorger oft wenig Interesse an ländlichen oder ärmen Gegenden haben, da diese für sie nicht rentabel sind. Eine Verbesserung der Wasserversorgung in Gebieten, in denen Menschen bisher ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser sind, ist entgegen der Argumentation der BefürworterInnen also nicht zu erwarten. Die Privatisierungswelle schreckt zu Gunsten der Gewinnmaximierung vor Opfern nicht zurück und zeigt ihre Skrupellosigkeit selbst bei der Verteilung der wichtigsten aller Ressourcen. Besser aufgehoben wäre die Wasserversorung bei der öffentlicher Hand, die den Zugang zu sauberen Trinkwasser für alle zum Ziel hat. Denn Wasser ist lebenswichtig und das Geschäft damit lebensgefährlich.

Von Johanna Ritter

Dies ist ein Artikel aus der Ausgabe 1/2006 der krass, der Zeitschrift der Grünen Jugend NRW. In der Übersicht stehen weitere Texte aus dieser Ausgabe und das Impressum.