Grüne Gentechnik
01.03.2006: Sie machen weiterhin mobil, die BefürworterInnen der so gennanten grünen Gentechnik. Hinter diesem harmlos klingenden Begriff verbirgt sich der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen in der Landwirtschaft.
Doch mit grüner Politik hat grüne Gentechnik überhaupt nichts zu tun - im Gegenteil. Auch die breite Mehrheit der Bevölkerung lehnt gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Die BefürworterInnen von Genfood argumentieren geschickt: Sie betonen, dass gentechnisch-veränderte Lebensmittel zum Teil strenger auf die Gesundheitsverträglichkeit geprüft werden als dieses bei anderen Lebensmitteln der Fall ist. Veränderte Pflanzen böten auch eine Chance zur Bekämpfung des Welthungers, so heißt es, weil sie von sich aus einen hohen Vi- tamingehalt beinhalten. Besonders auf zwei Themen sind die Befürworter der grünen Gentechnik jedoch schlecht zu sprechen und verschweigen sie in Vorträgen auch gerne: Die Verbreitung der Pflanzen durch Pollenflug und die damit verbundenen Verunreinigungen anderer Felder, sowie die Monopolstellung der Saatguthersteller von gentechnisch verändertem Saatgut. Es ist noch völlig unbekannt, wie sich freigesetzte gentechnisch veränderte Pflanzen langfristig auf die Umwelt auswirken. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass beim Austausch von Erbmaterial auch mit Resistenzen, Superunkräutern und Artenrückgang zu rechnen ist. Die Grüne Gentechnik trägt also dazu bei, dass die Artenvielfalt verringert wird.
Die Wahlfreiheit der VerbraucherInnen zwischen konventionellen und veränderten Produkten ist schon bei einem geringen Ausmaß des Genanbaus gefährdet, weil Pollenflug, Verunreinigungen im Saatgut und andere Übertragungswege einen gentechnikfreien Anbau gleichartiger Pflanzen erheblich erschweren oder unmöglich machen. Einen reinen Honig kann es zum Beispiel nicht mehr geben, denn Bienen können nicht zwischen den Blüten veränderter und normaler Pflanzen unterscheiden.
Weil ihre Produkte beim Endverbraucher derzeit noch keine Akzeptanz finden, nutzt die Genfood-Industrie gesetzliche Lücken geschickt. Die Verfütterung von gentechnisch-verändertem Futtermittel an Tiere muss bei tierischen Produkten nicht gekennzeichnet werden. Wer also Milch, Eier, Fleisch etc. kauft, weiß nicht, ob er damit die Verbreitung von Produkten der grünen Gentechnik unterstützt. Die Anbieter drängen massiv auf den Markt. Der Preis für nicht manipuliertes Soja als Futtermittel liegt mittlerweile über dem Preis für verändertes Soja. Die Zahl der konventionellen Bauern, die gentechnisch verändertes Soja an ihre Tiere verfüttern, ist deshalb bereits erheblich angestiegen. Anbieter machen es Ihnen auch bewusst immer schwerer, unverändertes Soja zu beziehen, etwa indem sie falsche Lieferungen schicken oder Lieferungen verzögern. Sicher gehen kann als EndverbraucherIn nur, wer Bioprodukte kauft, da diese auf den Einsatz von Gentechnik verzichten.
Aktuelle Lebensmittelskandale sind aber auch eine Chance für wachsende Erkenntnisse um die Fehler einer extensiven Landwirtschaft. Vielleicht gelingt es, einer breiteren Zahl von Verbrauchern deutlich zu machen, dass die Art und Weise ihrer momentanen Produktion häufig negative Begleiterscheinungen mit sich bringt.
Was kann getan werden? Durch Nachfragen bei den Produzenten und durch Unterstützen der gentechnikfreien Landwirtschaft kann direkt auf die Landwirtschaft eingewirkt werden. Manche Regionen haben bereits "gentechnikfreie Zonen" eingerichtet, das heißt Landwirte verzichten freiwillig auf den Anbau von Genfood. So etwas müssen wir als Grüne Jugend unterstützen. Genfood darf keine Zukunft haben!
Von Marcel Raschke
Dies ist ein Artikel aus der Ausgabe 1/2006 der krass, der Zeitschrift der Grünen Jugend NRW. In der Übersicht stehen weitere Texte aus dieser Ausgabe und das Impressum.