Ziviler Ungehorsam für den Klimaschutz
23.08.2008: Am Mittwoch besetzten AktivistInnen des in Hamburg stattindenden Klimacamps einen Kohlekraftwerksneubau in Hamburg-Moorburg. Die Sprecherin der Grünen Jugend, Kathrin Henneberger, war mit dabei und spricht über das Wie und Warum.
Am Mittwoch haben einige AktivistInnen den Kraftwerksbau Hamburg-Moorburg besetzt. Kathrin, du warst dabei. Was habt ihr dort gemacht und warum?
Wir sind mit 24 weiteren KlimaschutzativistInnen um 16 Uhr am Mittwoch durch den Zaun des sich im Bau befindenden Kohlekraftwerks gebrochen. Zu anfang mit überraschend wenig, dann aber mit einer sich sehr schnell erhöhenden Anzahl von neben uns herlaufenden und Schlagstöcke schwingenden Polizeibegleitung. Ca. 500 m hinter dem Zaun wurden wir vollständig umzingelt und sahen keine andere Möglichkeit mehr, als uns eng verhakt zu setzen. Währenddessen hatten die mit uns hineingegangenen KletterInnen einen Kran bestiegen. Wir saßen mehrere Stunden auf dem Boden, bis wir einzeln herausgezehrt und weggetragen wurden. Vattenfall hat sofort eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt. Die Polizei konnte uns damit Verhaften. Nach Durchsuchung, Personalienkontrolle, etc. wurden wir gemeinsam in einem Bus zur Polizeistation gefahren. Die meisten von uns wurden für 2-3 Stunden in Einzelzellen festgehalten. Wir haben die Aktion im vollen Bewusstsein gemacht, das wir uns mit dem Betreten des Geländes eine Klage von Vattenfall wegen Hausfriedensbruch einhandeln können. Mir geht es darum der Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir den Klimaschutz ernst nehmen und bereit sind dafür offensiv zu streiten.Welche Forderungen hat die Kampagne Gegenstrom08, die die Besetzung organisiert?
In Deutschland sollen neue Kohlekraftwerke gebaut werden. Das darf nicht geschehen. Es wäre ein schwerer Rückschlag für alle Klimaschutzbestrebungen. Wir brauchen mehr Investitionen in Erneuerbare Energien. Der Klimawandel lässt uns keine Zeit mehr lange zu diskutieren. Wir müssen jetzt Handeln, wollen wir die Lebensfreundlichkeit der Erde noch retten. Klimaschutz ist ein ökologisches wie soziales Problem. Nur mit einer globalen gerechten Verteilung von Reichtum und Ressourcen können wir den Klimawandel stoppen.Am Samstag ist wieder eine Besetzung des Baugeländes geplant. Wie viele Menschen werden dafür erwartet?
Ungefähr 2000 Menschen werden sich an den Protesten beteiligen. Die Menschen sind enorm motiviert für ihre Forderungen zu streiten.Plakat der Kampagne Gegenstrom08