It’s gettin’ hot in here
24.07.2005: Der Flügelschlag eines Schmetterlings, so heißt es, kann am anderen Ende der Welt einen Wirbelsturm auslösen. Ob das stimmt? Sicher ist, dass unser heutiges Verhalten eine Menge zukünftiger Wirbelstürme auslösen wird; und noch viel mehr. Darüber berichtet SPUNK-Redakteurin Kadda Rönicke.
Da sitzen wir nun also auf unserem blauen Planeten, dem wir den Namen "Erde" gegeben haben, und fragen uns ganz ahnungslos, wie das alles funktioniert. Wir lernen in der Chemie, der Physik und der Biologie die Grundlagen über die Funktionsweisen der Stoffe und die Mechanismen rund um uns herum. Dabei lernen wir nie aus, werfen immer wieder alles übern Haufen, um neuen Theorien Raum zu geben, neue Modelle zu erschaffen und wissen eigentlich nur, dass wir nichts wissen, oder wie Newton es sagte: "Ich sehe mich als kleinen Jungen mit Muscheln und Steinen spielen, am Ufer des Meeres der Erkenntnis." Alles was wir von diesem Ufer aus sehen können ist, dass alle Vorgänge um uns herum ineinander verzahnt zu sein scheinen, wie in einem riesengroßen, komplexen Uhrwerk, in dem winzig kleine Zahnräder wie verrückt umeinander rotieren. Das nennen wir Ökosystem; Ökosystem Erde.
Homo Sapiens wütet
Wie alle anderen Tiere auch sind wir ein sehr wesentlicher Teil dieses komplexen Uhrwerkes, und wir sind auf dessen Funktionstüchtigkeit angewiesen. Dazu zählen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, der Schutz vor den krebserregenden Strahlen der Sonne durch die Ozonschicht, das Vorhandensein von genügend Sauerstoff und lebensnotwendigen Mineralien, sauberem Wasser, Nahrungsmitteln, und vieles mehr. Wir haben nur diesen einen Planeten zur Verfügung. Und dennoch geht der Mensch grob fahrlässig damit um. Es ist kaum möglich, alle folgeträchtigen Interaktionen des Menschen mit seiner Umwelt aufzuzählen. Sei es der hohe Treibhausgasausstoß; die Versiegelung von Flächen; die Zerstörung der "Lungen der Erde", durch Roden von fußballfeldgroßen Flächen Regenwald - jeden Tag; das Spielen mit unseren Erbinformationen durch Gentechniker - unsere Neugierde treibt uns dazu, alles auszuprobieren, was wir entdecken, was in unserer Macht liegt. Die Folgen sind nicht zu ignorieren. Wir sehen uns heute schon konfrontiert mit einem steigendem Meeresspiegel, einer steigenden Erdtemperatur, aussterbenden Arten, mutierten Bakterien, schmelzenden Gletschern, wachsenden Ozonlöchern, sterbenden Wäldern, einer verstrahlten Nordsee rund um die Wiederaufarbeitungsanlage Sellarfield, sich ausbreitenden Wüsten, einem verrückt spielendem Klima, das von immer mehr Wirbelstürmen, Flutkatastrophen und Trockenzeiten geprägt ist... die Liste ließe sich endlos weiterführen. Von der CDU liebevoll "Ökostalinisten" genannte Menschen warnen vor schlimmen Folgen für kommende Generationen. Einige Individuen wie der Autor Michael Crichton("Welt in Angst") reden derweil von "Umwelthysterie" und stellen die Theorie des Klimawandels in Frage. Was aber kann wirklich passieren? Was ist der Stand der Wissenschaft? Werden wir im Jahre 2030 oder 2040 in einer Welt leben, die wie im Film "The Day After Tomorrow" aussieht?
Erwärmung oder Eiszeit?
"Ist doch klasse, wenn es endlich auch bei uns etwas wärmer wird," unken einige Spaßkanonen. Doch eine Studie des Pentagons und auch andere hochrangige WissenschaftlerInnen gehen heute eher vom gegenteiligen Szenario aus: Kurzfristig erwärmt sich zwar die Erde, man geht von 1-5°C in den nächsten 50 Jahren aus, eine Erwärmung auch in unseren Breiten wäre die Folge, doch damit einher geht ein unangenehmer Dominoeffekt. Man kann sich das so vorstellen, wie in einem Uhrwerk, in dem auch ganz viele andere Zahnräder stehen bleiben und blockieren, sobald nur ein einziges, kleines Zahnrad seinen Geist aufgibt. Durch die Erwärmung schmelzen Gletscher und Pole. Der Meeresspiegel wird steigen, ganz nebenbei wird sich die Menschheit von geliebten kleinen Urlaubsparadiesinseln verabschieden müssen und das geschmolzene Süßwasser der Pole und Gletscher "verdünnt" das Salzwasser der Meere. Mit gravierenden Folgen, denn das Salz treibt sozusagen die "Pumpe" des Golfstromes und der anderen ozeanischen Ströme an, welche für unser gemäßigtes Klima verantwortlich sind. Fallen diese aus, dann kühlen Nord- und Westeuropa blitzschnell so stark aus, dass es einer kleinen Eiszeit gleichkommt. Zugleich würden sich durch das Abflauen der Meeresströme die oberirdischen Luftströme verstärken, heftige Stürme und Unwetter wären die Folge.
Kriege um Wasser, Land und Nahrung
In Afrika wird die Erwärmung zu einer Ausbreitung der Wüsten um bis zu drei Prozent führen, das entspricht einer Zunahme von 282450 km² allein auf diesem Kontinent. Die dort schon heute knappe Ressource Wasser wird immer knapper, ganze Regionen werden verlassen werden. Menschenwanderungen auf der Suche nach einem letzten kleinen Rest fruchtbarem Land werden an der Tagesordnung sein. Die ärmsten der Armen werden noch ärmer, Millionen Menschen werden verdursten und in den sich immer weiter ausbreitenden Kriegen um Land, Wasser und Nahrung sterben. In anderen Regionen der Welt, wie zum Beispiel in Asien und Süd- und Nordamerika werden sich ähnlich dramatische Veränderungen abspielen, wie starke Dürren im Süden der USA und Überschwemmungen in China. Der Planet, der jetzt schon zu klein für 6 Milliarden Menschen ist, wird keinen Raum bieten für weiteres Bevölkerungswachstum, im Gegenteil, seine Fruchtbarkeit und die natürlichen Ressourcen, an denen sich der Mensch seit Jahrtausenden bedient hat, versiegen zunehmend. Dies wird zu einer weltweiten Destabilisierung der Märkte führen, denn immer wieder werden ganze Ernten und Existenzen durch Unwetter oder Hitzewellen zerstört. Der Andrang in die Reichen und noch fruchtbaren Länder der Erde wäre unvorstellbar groß - hier liegt ein riesiges Konfliktpotential, das auch in der vom US-Verteidigungsministerium, dem Pentagon, erstellten Studie bestätigt wird. Die Autoren dieser Studie befürchten, dass Länder, die im Besitz von Atomwaffen seien, diese im Kampf um Nahrung und Rohstoffe einsetzen könnten, sie kommen zum Schluss, dass der Klimawandel für die Menschheit eine größere Bedrohung sein könnte, als der internationale Terrorismus!
Gute Zukunft. Schlechte Zukunft.
"Alle beschriebenen Szenarien sind für Klimatologen nichts Neues - und sie sind selbstverständlich möglich," sagt Ernest Rudel, Chef der Abteilung für Klimaforschung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. So viel zum Thema "Umwelthysterie". Es gibt zwar viele KritikerInnen der These vom Klimawandel, interessanterweise ist es aber so, dass KlimaforscherInnen weltweit fast ausnahmslos "UmwelthysterikerInnen" und "ÖkostalinistInnen" sind. Natürlich lässt sich nicht voraussagen, wann welcher Effekt wie stark auftreten wird. Die Wetter-Frösche schaffen es ja kaum, verlässliche Prognosen für das Wetter von übermorgen zu liefern, geschweige denn, in einem Jahr oder in 40 Jahren. Wir kommen nicht umhin, mit Modellen zu arbeiten, uns weiter wie der kleine Junge oder das kleine Mädchen am Ufer des Meeres der Erkenntnis, dessen Pegel unaufhaltsam steigt, zu fühlen und irgendwie ahnungslos darauf zu warten, was die Zukunft bringen wird. Wir könnten uns wie Michael Crichton benehmen und einem Gänseblümchen mit den Worten "Gute Zukunft. Schlechte Zukunft. Gute Zukunft..." die Kronblätter abrupfen und darauf warten, welches am Ende übrig bleibt. Wir könnten aber auch die Augen öffnen, nachdenken und bemerken, dass Vorgänge, die schon jetzt sicht- und messbar sind, nicht plötzlich abbrechen. Vielleicht reicht unser Vorstellungsvermögen sogar so weit, dass wir einsehen, etwas an unserem Handeln ändern zu müssen. Nicht von heute auf morgen, vielleicht. Aber mittelfristig. Die Reduzierung des CO2 im Rahmen des Kyotoprotokolls zur Eindämmung des Treibhauseffektes; die Nutzung alternativer und regenerativer Energieformen; ein stärkeres Augenmaß auf Effizienz und Suffizienz; Arten-, Umwelt- und Naturschutzprogramme - es mangelt nicht an Ansätzen, Ideen und Möglichkeiten, allein es fehlt der nötige weltweite Wille. Wir wollen! Und du?