Saar-Grüne gegen Studiengebühren
08.11.2003: Markus Tressel: "Studiengebühren verstärken die soziale Auslese in der Bildung."
Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Einführung von Studiengebühren haben die saarländischen Grünen erneut ihre grundsätzliche Ablehnung bekundet. Für den politischen Geschäftsführer der Partei, Markus Tressel, ist die Erhebung von Gebühren generell der falsche Weg: "Wir halten Studiengebühren für Strafgebühren. Damit werden die Studierenden bekämpft, aber nicht die Ursachen etwa für zu lange Studienzeiten. Die vermeintlichen Langzeitstudierenden zahlen jetzt die Strafe für etwas, was sie nicht wirklich zu verantworten haben. Vor allem aber führen die Gebühren zu einer sozialen Selektion unter den Studierenden. Wir wollen, dass alle jungen Menschen auch weiterhin die Möglichkeit haben, eine fundierte Hochschulausbildung zu bekommen, ohne sich dafür verschulden zu müssen." Gebühren seien nicht das geeignete Mittel, um Studierende schneller durch die Hochschulen zu lotsen. Stattdessen komme für sozial schwächer Gestellte eine weitere erhebliche Hürde hinzu. Außerdem hätten die Erfahrungen aus Baden-Württemberg belegt, so der Grünen-Politiker weiter, dass die Einnahmen aus Studiengebühren im Verhältnis zu den Gesamtkosten einer Universität gering seien, jedoch in hohem Maße zusätzlich Verwaltungskosten anfielen. Die Ursachen für verlängerte Studienzeiten hingegen blieben unberührt. Markus Tressel fordert deshalb strukturelle Verbesserungen statt "unfruchtbarer Gebührendebatten": "Die Verbesserung der nach wie vor schlechten Studienbedingungen und das Aufbrechen der verkrusteten Strukturen vieler Studiengänge sollten die Maßnahmen sein, die in naher Zukunft auf den Weg gebracht werden." Insbesondere für das Saarland sieht Tressel bereits Nachteile durch die Einführung der Strafgebühren für Langzeitstudierende. Sie seien ein möglicher Grund für den intellektuellen Nachwuchs, sich bei der Entscheidungsfindung gegen das Saarland als Studienort auszusprechen. Und dies, so Tressel weiter, sei eine Lenkungswirkung in die falsche Richtung, denn das Saarland brauche auch Studierende aus anderen Ländern, um die Qualität der Saar-Hochschulen sichern zu können. Gerade im Bildungsbereich, der mitverantwortlich für die Zukunft des Landes ist, sei diese Art der Selektion nicht angebracht. Die Saar-Grünen wenden sich auch gegen Bestrebungen auf Bundesebene, Studiengebühren eventuell in Teilbereichen zuzulassen. Tressel abschließend: "Wir werden uns deutlich gegen jegliche Planung in dieser Richtung positionieren."