Fachliche Stellungnahme des Fachforum Drogen der GRÜNEN JUGEND zu A-03

15.05.2008: (A-03 : Damit der BuKo noch grüner wird: Unser Gras muss öko sein! Für die Fünf-Punkte-Zertifizierung!)

Unabhängig von der Frage, ob bei dem Thema Cannabispolitik und angesichts von real existierender Repression gegen Konsumentinnen und Händlerinnen, einer willkürlichem Führerscheinentzugspolitik, der Inhaftierung Kranken wegen ihrer Nutzung von Cannabis als Medizin oder allgemein der Inhumanität der prohibitionistischen Drogenpolitik, spassige Anträge angebracht sind oder nicht, möchte das Fachforum Drogenpolitik inhaltlich in zwei Punkten Stellung beziehen. Zur Frage wie Cannabispolitik aussehen sollte, verweisen wir auf folgenden Beitrag: *Konsumspaß statt Politik?* Cannabis-Antrag für den Bundeskongress oder Wenn linksliberale Mittelschichtskinder Drogenpolitik machen, komplett hier zu lesen: julia-seeliger.de/konsumspas-statt-politik-cannabis-antrag-fur-den-bundeskongress/

~ 1.

~ Der Wunsch nach sauberen Cannabis hat einen ernsten Hintergrund. Cannabis vom illegalisierten Markt ist mitunter gestreckt, verunreinigt oder gar durch Bleisulfid regelrecht vergiftet. Die Cannabisverbotspolitik der Bundesregierung führt dazu dass Cannabis deutlich schädlicher ist als notwendig.

~ 2.

~ Es gibt keine gemanipuliertes Gras. In diesem Punkt ist der Antrag missverständlich formuliert. Ebensowenig ist der THC Gehalt von Cannabis signifikant gestiegen. Falschmeldungen über Killergengras, das ja inzwischen eine harte Droge sei, werden von Gegnerinnen einer vernünftigen Cannabispolitik genutzt um auf die vermeintlich große Gefährlichkeit von Cannabis hinzuweisen.

Für unserer Mitglieder hier nun einige Informationen zu diesen Punkten. Wir danken dem Deutschen Hanfverband für die Bereitstellung der Texte, für weitere Fragen steht das FaFo gerne zur Verfügung. Der Deutsche Hanf Verband (DHV) ist die professionelle Interessenvertretung der deutschen Hanfbranche und privater LegalisierungsbefürworterInnen, seine Arbeit überaus unterstützenswert und die Homepage ist eine wahre Fundgrube.
Christina Hennig, Sofia Sandmann, Maximilian Plenert, Koordinatorinnen des Fachforum Drogenpolitik

Gestrecktes Gras - Vom Naturprodukt zum Chemiecocktail

Viele Kiffer, die nicht in der komfortablen Lage sind, über selbst angebautes Gras zu verfügen, werden in letzter Zeit mit qualitativ minderwertigem Gras in Berührung gekommen sein. Die Szenemagazine berichteten ausführlich über die aktuellen Methoden, Gras zu strecken, über bedenkliche Verunreinigungen durch Pestizide und Fungizide, aber auch über die Belastung durch Schimmelpilze und Bakterien. Im Folgenden hat der DHV einige Informationen dazu zusammengetragen. Restlicher Text hier: hanfverband.de/themen/gestrecktes_gras.html

Informationen über bleihaltige Cannabisprodukte

Informiert darüber, wie man das verseuchte Marihuana erkennt, was man tun sollte, wenn man bleihaltiges Cannabis gekauft hat und was von den Empfehlungen der Drogenbeauftragten zu halten ist.

Besonders im Raum Leipzig ist seit Sommer wiederholt Marihuana aufgetaucht, das mit Bleisulfid (Bleiglanz) verunreinigt ist. Der DHV warnt ausdrücklich vor dem Konsum dieser Cannabisprodukte!

Bleisulfid ist eine salzartige Verbindung von Blei und Schwefel und kommt in der Natur als sogenannter Bleiglanz vor. Normalerweise verwendet man den giftigen und umweltgefährlichen Stoff in der Glasindustrie oder als Vulkanisationsbeschleuniger.

Im verseuchten Marihuana aus Leipzig ist Bleisulfid in Form winziger Späne in den Blüten eingeschlossen. Das deutet darauf hin, dass es bereits während des Wachstums über die Pflanzen gestreut wurde.

Mit bloßem Auge ist das Bleisulfid nur schwer zu erkennen. Von probeweisem Konsum muss dringen abgeraten werden, weil bereits ein Joint zu schweren Vergiftungen führen kann!

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt, Proben in Apotheken abzugeben oder direkt der Apotheke der Rheinischen Kliniken Viersen zu senden. Achtung! Damit macht man sich eventuell strafbar!

Wer der Empfehlung der Drogenbeauftragten folgt, kann unter Umständen wegen der Weitergabe von Betäubungsmitteln nach § 29 Betäubungsmittelgesetz (BtMG) bestraft werden. Auch Hausdurchsuchungen Im Zuge der Ermittlungen können nicht ausgeschlossenen werden. Auf Nachfrage bestätigte Frau Schaaf, die Leiterin der vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) benannten Apotheke, dass sie nicht sicherstellen kann, dass die Absender der Cannabisproben nicht strafrechtlich belangt werden.

Auch müssen die Einsender die Kosten des Tests der Marihuanaprobe auf Blei in Höhe von 20,- Euro selbst tragen, wie eine Sprecherin der Apotheke der Rheinischen Kliniken dem DHV mitteilte.

Wir warnen außerdem davor, verdächtige Proben anonym per Post an die Bundesdrogenbeauftragte (Sabine Bätzing, Bundesministerium für Gesundheit, 11055 Berlin) zu senden! Damit gefährdet man nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiter, die ja auch nicht über die Risiken des Bleisulfids informiert sind.

Wer nach dem Konsum von verdächtigem Cannabis unter Übelkeit, Verstopfung oder krampfartigen Bauchschmerzen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen, da dies Anzeichen einer akuten Bleivergiftung sein könnten. Auch bei Lähmungserscheinungen und motorischen Störungen ist schnelle medizinische Hilfe nötig, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Chronische Bleivergiftung kann sich durch Schwächeanfälle, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Magenschmerzen zeigen. Auch Blutarmut (Anämie) kann ein Zeichen für eine Erkrankung sein. Über längere Zeiträume hinweg führt eine Bleivergiftung zu Hirnschäden ("Bleidemenz"), Gedächtnisverlust, Nervenschäden und Muskelschwäche. In Extremfällen führt sie zum Tod des Patienten.

Wichtig: Wer befürchtet, bleiverseuchtes Cannabis geraucht zu haben, sollte auch dann einen Arzt aufsuchen, wenn er keine Symptome zeigt! Selbst wenn es dem Betroffenen noch gut geht, ist eine Bleivergiftung behandlungsbedürftig. Blei lagert sich im Körper ab und schädigt die Gesundheit langfristig.

Die Drugscouts (www.drugscouts.de/) aus Leipzig haben eine sehr umfangreiche FAQ zum Thema Blei im Cannabis erstellt. Die vorgeschlagenen Schnelltests können wir jedoch nicht empfehlen, weil sie nach Aussage von Frau Schaaf nicht zuverlässig sind und ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln könnten.

Der DHV rät allen Betroffenen, im Zweifel einen Arzt aufzusuchen. Eventuelle Tests des Marihuanas sollte der Arzt in Auftrag geben. Nur so sind die betroffenen Konsumenten vor Strafverfolgung geschützt, da der Arzt in diesen Fällen das Strafbarkeitsrisiko trägt. Wer noch nicht konsumiert hat, sollte verdächtiges Cannabis einfach wegwerfen!

Genmanipulierter Hanf?

Seit etwa einem Jahr geht vermehrt das Gerücht um, Marihuana sei jetzt genmanipuliert, habe stark erhöhte THC-Werte und sei deshalb nicht mehr vergleichbar mit dem harmlosen Stoff, den jetzige Eltern in ihrer Hippiezeit geraucht hätten. Das gibt den Konservativen ein mächtiges Argument und verunsichert angegraute Grüne. Die Legalisierung gerät ins Stocken und die Medien haben wieder ein schön reißerisches Thema. Doch was ist dran an dieser Massenhysterie?

Züchtung oder Gentechnik?

Züchtung (und dadurch genetische Lenkung) ist bei allen Nutzpflanzen üblich - auch bei Hanf. Gentechnik, also technische genetische Veränderungen durch das Manipulieren der Gensequenzen gibt es bei Hanf aber sicherlich nicht. Das wäre viel zu teuer und ist auch nicht notwendig, um die gewünschten Ergebnisse zu erhalten.

Auch das so genannte "Klonen" von Hanfpflanzen ist nichts anderes als die Produktion von Stecklingen einer Mutterpflanze, die "Ableger" haben das gleiche Genmaterial. Von Gen"technik" oder gar "gemanipuliertem Gras" im engeren Sinne kann also nicht die Rede sein.

Schon vor über 25 Jahren ist es vor allem den Niederländern gelungen, durch "Indoor-Anbau" und optimierte Zuchtbedingungen stärkere Sorten zu züchten. Damals gab es mit "Skunk" und "Superskunk" etc. einen signifikanten Anstieg der THC-Gehalte. Heute ist das nicht so eindeutig wie von den Medien und anderen behauptet. So gehen z.B. das BKA und die europäische Drogenbeobachtungsstelle davon aus, dass es in den letzten Jahren zwar Funde mit hohem THC-Gehalt gab, aber kein allgemeiner Anstieg zu verzeichnen ist. Vielleicht hinken diese Stellen der Entwicklung auch etwas hinterher. Züchter machen Fortschritte und die Herstellung von starken Haschischsorten ist heute etwas leichter. Ein Großteil des in Deutschland gerauchten Stoffs kommt aber nach wie vor als Standardplatte aus Marokko. Althippies müssen also nicht befürchten, dass ihre Kinder nur noch "Killergras" zu rauchen bekommen.

Im Übrigen ist ein hoher THC-Gehalt an sich gar kein Problem. Viele empfinden das eher als Qualitätsmerkmal, ein Beitrag zu einer großen Sortenvielfalt ist es auf jeden Fall. Normalerweise ist ein hoher THC-Gehalt der Gesundheit sogar zuträglich, es muss weniger Rauch inhaliert werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Cannabispräparate, die heute in der Medizin verwendet werden, beinhalten sogar fast 100% THC. Problematisch wird das erst durch die Illegalität: auf dem Schwarzmarkt gibt es keine Deklaration des Wirkstoffgehaltes! Vergleichsweise ist das dann so, als würde man versehentlich Schnaps statt Bier kaufen und zu sich nehmen. Das kann natürlich zu unangenehmen Überdosierungen führen. Also sprechen auch hohe THC-Gehalte FÜR eine Legalisierung: Hanffachgeschäfte für Qualitätshasch mit Gebrausanweisung!

Zugehörige Dateien:
Stellungnahme zu A-03.pdfDownload (216 kb)